Zunächst ein Blick auf die Herkunft des Wortes.
Politik stammt aus dem Französischen „politique“ und bedeutet soviel wie „Die Wissenschaft von der Führung eines Staates“. Beim Nachschlagen im etymologischen Wörterbuch finden wir als aktuelle Definition die Zusammenfassung, dass Politik die Lenkung eines Staates, die Festlegung und Durchsetzung bestimmter Ziele von Regierungen, Parteien und Organisationen ist. Mit dem Begriff „politisch“ sind ebenfalls die Bürger, die Stadtbewohner und der Staat gemeint. Während im 16. Jahrhundert das Adjektiv „politisch“ bedeutete, „die Politik betreffend, zu ihr gehörend“, wandelte das Wort im 17. Jahrhundert seinen Gehalt ins Negative und wurde konnotiert mit „geschickt, verschlagen.“
Politik war schon immer und ist auch heute ein Anlass für äußerst unterschiedliche Auffassungen, die häufig in heftige Streitereien und Kontroversen münden. Diese ziehen sich durch den Bundestag, durch Fernsehshows, Demonstrationen und ebenso durch Familien und Freundschaften.
Ein Vorschlag – lassen wir diese mal hinter uns und blicken auf einige Sternstunden, die auf diesem umfassenden Gebiet erstrahlten und erstrahlen und vernünftige und fruchtbare Entwicklungen für Länder und Menschen hervorbringen.
Goethe und Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach
Der junge Goethe und der 8 Jahre jüngere Herzog entwickelten eine lebenslange Freundschaft. Goethe war seit 1775, als er nach Weimar zog, für Beratung und Erziehung von Carl August zu einem charaktervollen, reifen Staatsmann zuständig, er selbst übernahm auf dessen Ersuchen hin ebenfalls politische und administrative Aufgaben. Zu dieser Zeit war er schon ein europaweit bekannter Autor und Dichter. Der Herzog ließ ihm viele Freiheiten, er war sich der Größe, Güte und Reife seines Förderers bewusst. Carl August betraute Goethe später auf dessen Wunsch hin nur mit wissenschaftlichen und künstlerischen Aufgaben. Die Freundschaft und gegenseitige Wertschätzung der beiden Männer trug viel zu einem politisch wie auch kulturell gestärkten und ausstrahlenden Deutschland bei.
Zur Vertiefung: https://blog.sbb.berlin/termin/die-freunde-goethe-und-herzog-carl-august/
Charles de Gaulle und Konrad Adenauer
Deutschland und Frankreich, eine konfliktbeladene Geschichte. Viele Jahrzehnte waren die Länder sogenannte Erbfeinde, die im Krieg miteinander standen. Einen unvergessen schrecklichen Ausdruck fand diese Feindschaft in der Schlacht von Verdun 1916, einem sinnlosen Gemetzel und Blutvergießen in dem ca. 700 000 deutsche und französische Soldaten den Tod fanden. Ab 1959 begannen Adenauer und de Gaulle in gegenseitigen Staatsbesuchen vorsichtige diplomatische Gespräche, die letztendlich 1963 in die Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftvertrages mündeten. Klar, Freundschaft muss wachsen, das tut sie am besten über das gegenseitige Kennenlernen, über Schüleraustausch, Studentenaustausch, Sprachenlernen, Reisen, über den Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen. All dies wurde in den Jahren nach der Unterzeichnung gefördert. Dass zwei Staatsmänner sich durchringen zu einem Ende der unaufhörlichen Feindseligkeiten zwischen ihren Ländern, ist ein Zeichen der Vernunft und des Friedenswillens. Wie stehen die Länder heute zueinander?
Willy Brandt und Egon Bahr
Mit diesen beiden politischen Persönlichkeiten wurde eine neue Ära der Öffnung und Entspannungspolitik hin zu den Staaten des Ostblocks eingeläutet. Als Willy Brandt im Jahr 1969 Bundeskanzler wurde, berief er Egon Bahr als Staatssekretär ins Bundeskanzleramt. Schon vorher, als Brandt Bürgermeister von Berlin war, wirkten sie auf politischer Ebene zusammen. Die Devise der Staatsmänner inmitten eines Klimas des Kalten Krieges lautete „Wandel durch Annäherung“. Sowohl mit Polen als auch mit der Sowjetunion und weiteren Ostblockstaaten wurde eine auf Diplomatie und Dialog basierende Friedensordnung und Friedenssicherung angestrebt. Hohes Aufsehen erregte der Kniefall von Willy Brandt am Denkmal des Warschauer Ghettos 1970. Er wurde weltweit als spontane, authentische und versöhnende Geste gewertet. Für seine Ostpolitik wurde Brandt 1971 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Beide Politiker setzten sich auch nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik unermüdlich für Frieden und soziale Gerechtigkeit ein.
Sathya Sai Baba und Narendra Modi
Sathya Sai Baba ist eine der bekanntesten heiligen Persönlichkeiten Indiens. Weit über sein Land hinaus wird er als spiritueller Lehrer wertgeschätzt und verehrt. Er lebte und wirkte von 1926 bis zu seinem Tod im Jahr 2011 in Puttaparthi. Nicht nur der jetzige Premierminister Indiens, Narendra Modi, besuchte ihn und seinen Ashram mehrere Male, auch andere indische Politiker, der Präsident Venezuelas Maduro und Künstler wie der rumänische Dirigent Sergiu Celibidache suchten ihn auf und fanden für ihr Werk und Leben Entwicklungsperspektiven, Inspiration und Tiefe.
Hier auf dem Foto sehen wir den aktuellen, seit 2014 amtierenden Premierminister Indiens, Narendra Modi mit Sai Baba. Zu der Zeit als das Foto entstand war er Regierungschef des Bundesstaates Gujarat.
Modi hebt hervor, wie sehr er Sai Babas zentralen philosophischen Leitgedanken „Love all, serve all“ wertschätzt. Dieser manifestiert sich u.a. in kostenlosen Gesundheits-, Bildungs- und Sozialprojekten. Was bedeutet es, wenn ein Politiker den Rat und das Gespräch mit einer verwirklichten, tiefste Konzentration und Liebe ausstrahlenden Persönlichkeit sucht?
Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer
So unterschiedlich diese beiden Frauen sind, so sehr haben sie sich in der Aufgabe gefunden, eine aktuelle Friedensbewegung in Deutschland ins Leben zu rufen. Alice Schwarzer, engagiert in der 68er Bewegung, Frauenrechtlerin, bekannt mit Sartre und Beauvoir, Gründerin der Zeitschrift „Emma“. Sahra Wagenknecht, Gründerin der Partei BSW, aufgewachsen in der DDR, promoviert und hochgebildet, die sich auch beruflich zu DDR-Zeiten nicht verbiegen ließ.
Beide Frauen sind streitbar und umstritten. Angesichts der Militarisierung Deutschlands und einer schleichenden Kriegsertüchtigung, auf die die Bevölkerung eingestimmt werden soll, suchen sie beide eine Lösung und einen Weg der Vernunft, des Dialogs und des Friedens. Sie starteten 2023 eine Online-Petition, das „Manifest für Frieden“, in dem sie Olaf Scholz aufriefen, die Waffenlieferungen an die Ukraine einzustellen und für Friedensverhandlungen einzutreten. Knapp eine Million Bundesbürger unterzeichneten die Petition.
Ich sehe es so, dass äußere Taten im Ringen um Frieden nicht alles sind, dass aber Friedensbewegungen, wie beispielsweise ein Aufstehen von Studenten, Bürgerrechtlern, Kriegsdienstverweigerern und Künstlern (herausragend Joan Baez) gegen den Vietnamkrieg in den 60er und 70er Jahren und eine neue Friedensbewegung gegen das atomare Wettrüsten in den 1980 Jahren notwendige sichtbare Zeichen eines friedlichen Widerstandes waren. Insofern halte ich eine zeitaktuelle und sichtbare Friedensbewegung in Deutschland für wichtig und wertvoll.
Was ist sie nun, die Politik?
Raum für Sternstunden der Menschheit oder Verführung zu Korruption und Macht?
Die hier dargestellten Personen und ihre Aktivitäten zeugen davon, dass auch auf politischer Ebene Ideale, Visionen, Vernunft, Friedenswille und freundschaftliche Zusammenarbeit fruchtbare Wirkungen für ein Land oder viele Länder zeigen. Wie eingangs erwähnt, das Wort „politisch“ bezieht sich nicht nur auf gewählte Politiker, sondern meint auch uns, jeden einzelnen Bürger eines Landes.


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