#8938
Maria
Administrator

    Lieber Stefan,
    du schreibst ja in einem deiner letzten Beiträge von der Auferstehung. Und dass wir Menschen durch die Hinwendung an ein Ideal, das wir verwirklichen wollen, auch in diesem Leben schon sterben und auferstehen. Das ist ein wirkliches Geheimnis, aber ich finde, du hast gute Worte gefunden. In ganz einfachem Sinne kann man es möglicherweise auch so sehen, jeder Mensch, der etwas tut, der seine Arbeit macht, der sich mit Mitgefühl anderen hinwendet, gibt doch immer auch ein Stück von sich her, er leistet eine Art Opfer – auch wenn das Wort heute nicht mehr modern ist – etwas von ihm stirbt und was Neues kann erstehen. So sterben wir alle in mehr oder weniger hohem Grade und haben auch die Möglichkeit, Neues und neue Erkenntnisse in unser Leben aufzunehmen. Ich meine damit nicht intellektuelles Wissen, sondern eine wachsende Reife und Weisheit. Sehr schön ist es, solchen Menschen zu begegnen, manchmal auch alten Menschen, die einiges durchmachten und dadurch zu weisen und seelisch starken Persönlichkeiten wurden.
    Da ich mich gerade auch intensiver mit der Ernährung beschäftige, ich erahne diesen Prozess des Sterbens und Auferstehens auch in der Tätigkeit des Essens. Wenn ich eine Wertschätzung zu den Nahrungsmitteln entwickle und zu allen Menschen, die beigetragen haben, dass ich dies nun auf dem Teller habe, wenn ich mich an die Kräfte der Sonne, der Planeten erinnere, die auch an diesen Pflanzen wirkten, dann kann das Essen eine hohe und dankbare Tätigkeit werden. Es kann ein seelisches Erlebnis sein, in dem Berührungsmomente, Ab- und Aufbauprozesse sowohl an dem Nahrungsmittel als auch in mir stattfinden. In dem Nachdenken und Austauschen über solche Worte wie Auferstehung, sehe ich eine sehr schöne und wertvolle Möglichkeit, einem Lebensgeheimnis, das uns als Menschen alle betrifft, näherzukommen. Du erwähnst auch Ängste und Bindungen, ja, ich denke diese wirken hinderlich für diesen Prozess und sind womöglich Auslöser für Stagnation und Krankheit. Letztere können uns aber auch wieder anregen, nach neuen Möglichkeiten zu suchen und mehr in die Tiefe zu gehen.

    Mit herzlichem Gruß, Maria