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    • #6183
      Administrator
      Administrator

        Dieses Forumsthema eröffnet die Möglichkeit zum Austausch für Menschen, die sich für Fragen zu Christus und den Evangelien interessieren.

      • #6188
        Maria
        Administrator

          Folgender Filmvorschlag kam mir vom Forumsleser Stefan zu. Er stammt aus dem Youtube Kanal von Edi Maurer: Was wollte Jesus von Nazareth wirklich?

          Stefan schrieb dazu:

          “Für mich waren schon immer die Geschehnisse um Jesus sehr anziehend, da Er ja die zentrale Figur in der christlichen Lehre darstellt und für uns alle als Vorbild immer wieder herangezogen wird.
          So habe ich z.B. nebst drei verschiedener Bibeln auch das sog. “Evangelium des vollkommenen Friedens” gelesen, welches in dem Beitrag ebenfalls erwähnt wird, um mir eine möglichst genaue Vorstellung von den seinem Wesen und Wirken machen zu können.
          Insofern finde ich den folgenden Beitrag sehr aufschlussreich, außergewöhnlich und höchst interessant, da er etwas anders ist als die üblichen…

          Viel Freude damit!”

          • #6196
            Stefan
            Teilnehmer

              Grüß Dich Maria,

              hab gerade gesehen, dass Du den Film nun reingestellt hast – herzlichen Dank!
              Hast Du ihn Dir schon mal angesehen?
              Würde mich interessieren, was Du davon hältst…?

              Liebe Grüße
              Stefan

              • #6198
                Maria
                Administrator

                  Lieber Stefan,

                  hat ein bisschen gedauert bis ich dir auf den Film antworte. Um mir zu etwas eine Anschauung zu bilden, brauche ich immer Zeit und es ist ja ein langer Film und meine freien Zeiten für diese Arbeit muss ich mir schaffen.
                  Wie findest du denn den Film, was hat dich besonders angesprochen?

                  Obwohl ich hinter vielen Gedanken, die darin ausgesprochen sind, stehen kann und ich hervorragend die Bilder von James Tissot finde, der sehr viele Szenen aus dem Leben des Christus dargestellt hat, stoße ich dennoch wieder auf eine Schwierigkeit. Es ist die, über die wir uns schon austauschten. Ich halte es immer für wertvoll, den Autor und Urheber eines bestimmten Gedankengutes zu kennen und zu nennen. Im Film kommt ab Minute 26.20 einmal ganz urplötzlich die Aussage „Nun ist offensichtlich diese angekündigte Zeit gekommen… und es kommt der Hinweis aus ein Buch „Die großen kosmischen Lehren des Jesus von Nazareth“, Untertitel „Die ewige Wahrheit des Christus Gottes durch Gabriele“.

                  Deshalb gehe ich davon aus, dass dies ein Film ist, der vom Gedankengut oder den Eingaben von Gabriele Wittek, Begründerin des Universellen Lebens, abstammt. Es ist später auch von einem Theologen, der aus der Kirche ausgetreten ist, die Rede und der z. B. die These vertritt, Christus hätte nicht sterben müssen.

                  Das sind natürlich hohe theologische und philosophische Themen.

                  Ich habe mir hier im Forum die Aufgabe gestellt, auch die Unterscheidungskraft in dem überaus großen Angebot der Esoterik anzuregen. Dazu ist meines Erachtens nötig, die Urheber bestimmter Philosophien und Denkanschauungen zu kennen oder sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dann kann man darüber diskutieren, ansonsten werden sie so still untergeschoben. Weißt du, was ich meine?

                  Das Universelle Leben wurde von der Kirche stark angegriffen und als Sekte verschrien. Es gab oder gibt auch biologische Initiativen des Universellen Lebens, die sehr gute Lebensmittel auf Märkten verkauften. Dass jemand oder eine Bewegung als Sekte deklariert wird, ist für mich eher ein Zeichen, dass es sich womöglich um einen Impuls handelt, der von Wert ist. Die Kirche zeigt sich in ihrer ganzen Armut, wenn sie Andersdenkende so verfolgen muss.

                  Ich bin dennoch bei Durchgaben, medialen Fähigkeiten und Channeling vorsichtig. Persönlich halte ich eine Weg, in dem ich mein Bewusstsein schule, mein Denken, Fühlen und Wollen, zielführender als einen Weg, in dem das Bewusstsein herabgedämpft wird und durchlässig für mediale Botschaften. Aber ich muss zugeben, dass ich mich nicht intensiv mit Gabriele Wittek und dem Universellen Leben beschäftigt habe.

                  Und den Priester, der die These vertritt, Christus hätte nicht sterben müssen, wollen oder sollen, würde ich auch gern mit Namen kennen. Dann könnte man mit ihm darüber reden.

                  Durch den Film ziehen sich originalgetreue Zitate aus den Evangelien und aus apokryphen Evangelien. Das finde ich wertvoll.
                  Gleichzeitig kommen immer wieder Hinweise, dass diese Welt eine eher dunkler Ort ist, wo allerhand Machenschaften geschehen und die eigentliche Heimat des Menschen woanders ist.

                  Es gibt auch andere spirituelle Impulse, die das anders darstellen. Z.B. die Anthroposophie Rudolf Steiners oder der Geistschulungsweg von Heinz Grill. Mit diesen beiden Richtungen beschäftige ich mich ausführlich, auch mit einigen östlichen Lehrern wie Sri Aurobindo, Sivananda, Sai Baba und von Kind an haben mich die Heiligen fasziniert, insbesondere Franziskus von Assisi. Auch Freiheits- und Friedenskämpfer auf der ganzen Welt erregen mein tiefstes Interesse.
                  Westliche spirituelle Schulen wie oben genannte beschreiben das Mysterium von Golgotha in einem anderen Sinne. Bei Rudolf Steiner wurde es mir zum erstenmal klar, mit dem Tod des Christus wurde die gesamte Erde von dieser göttlichen Liebe durchdrungen. Heute können wir uns der Erde forschend, künstlerisch, arbeitend hinwenden und wenden uns damit nicht vom Göttlichen ab, sondern ihm zu. Es ist anders als in der vorchristlichen Zeit, als die Menschen, gerade im Osten – keinen anderen Weg auf ihrer Gottsuche hatten, als die eigentliche Heimat im Kosmos und am Sternenhimmel zu sehen und sich dahin zu sehnen. Für die damalige Zeit war das ein stimmiger Weg.

                  Sri Aurobindo – kennst du seine Person oder sein Werk? – schrieb in einem seiner Bücher einmal, dass die Menschheit schlichtweg noch nicht reif ist, eine solche Reinheit und Liebeskraft zu ertragen, wie sie in Christus lebte, und deshalb ihn töten musste. Das ist ein Phänomen, das sich bis zum heutigen Tag wiederholt. Menschen, die tatsächlich viel für die Menschheit tun, Journalisten, die Wahrheit berichten wollen, Richter, die sich in der Coronazeit für das Wohl der Kinder einsetzten, ebenso wie ernsthafte spirituelle Lehrer und Forscher werden mit Rufmord oder schlimmerem ausgegrenzt.

                  So, jetzt habe ich aber genug geschrieben. Wie gesagt, der Film ist lang. Weil du meine Meinung zum Film wissen wolltest, ich habe mich bemüht, sie dir so differenziert wie möglich darzustellen. Persönlich würde ich den Film jetzt nicht einem Menschen empfehlen, der mich um einen guten Christusfilm bittet oder persönlich auf der Suche ist. Ich bin vielleicht etwas streng, aber ich kann in diesem Film nicht unterscheiden, welche Gedanken von wem kommen. Da halte ich es dann für sinnvoller und klarer, sich z. B. mit einem Gemälde von James Tissot und der entsprechenden Evangelienstelle zu beschäftigen.

                  Dennoch vielen Dank für deine Anregungen, es können manche Leser ja vielleicht zu einem anderen Schluss kommen.

                  Ich sende dir noch einen weiteren, alten Film über das Leben des Christus. Hast du ihn mal gesehen? Er ist in schwarz-weiss, von Pasolini, er hat darin nur mit Laienschauspielern gearbeitet und Originatzitate aus dem Matthäus-Evangelium verwendet. Dieser hatte mich sehr angesprochen. Wenn du mal Zeit hast, kannst du mir gern rückmelden, wie du ihn findest.

                  Das 1. Evangelium Matthäus – Pier Paolo Pasolini 1964

                  Es ist ein alter Film, aber ich finde ihn eindrücklich und sehenswert.

                  herzliche Grüsse dir

                  Maria

                  • Diese Antwort wurde vor 1 Jahr, 11 Monaten von Maria geändert.
                  • Diese Antwort wurde vor 1 Jahr, 11 Monaten von Administrator geändert.
                  • #6200
                    Stefan
                    Teilnehmer

                      Liebe Maria,

                      erst einmal noch ganz herzlichen Dank für deine umfangreichen Ausführungen!

                      Da ich aktuell leider zeitlich nicht dazu komme, dir entsprechend darauf zu antworten, wenigstens schon mal eine kleine Zwischen-Rückmeldung.

                      Deinen empfohlenen Film über Jesus habe ich mir auch erst bis zu einer bestimmten Stelle ansehen können.
                      Und da hat es mich richtig gerissen, so dass ich erstmal anhalten mußte.
                      Es geht um die Äußerung:

                      „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.
                      Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“

                      (Mt. 10, 34 – 39)

                      Diesen Ausspruch kenne ich schon lange, von meinen Jahren des intensiven Bibelstudiums her, doch in dem Film fuhr er mir richtig in die Seele, wie ein Stachel, wahrscheinlich auch deswegen, da in dem Film ja sehr wenig gesprochen wird, da wirken die Worte, die gesagt werden viel intensiver, was wahrscheinlich auch bezweckt werden soll, nehme ich an.
                      Den zweiten Teil davon sehe und empfinde ich genauso, mit dem ersten jedoch habe ich etwas Probleme – ist Jesus nicht der Friedensbringer?
                      Wie kann er so etwas so formulieren?
                      Habe im Netz recherchiert, was es zu der Stelle für Ansichten gibt und wiederum ganz unterschiedliche Interpretationen gefunden.
                      Manche sagen, man solle lieber „Wahrheit“ statt „Schwert“ sagen, denn es ist klar, dass die (Göttliche) Wahrheit im Widerstreit zur weltlichen steht und dadurch auf Erden (noch) kein Friede herrschen kann.
                      Dies leuchtet mir ein, aber wieso formuliert Jesus es dann nicht so?
                      Für mich ein Rätsel, obwohl ich eigentlich dachte, ich würde die Lehre/den Sinn Jesu grundsätzlich begreifen.

                      Wie geht es dir denn damit?

                      Ich weiß schon, ein neues, ausgiebiges Thema für sich…;-)

                      Herzliche Grüße soweit von mir!

                      Stefan

                    • #6202
                      Stefan
                      Teilnehmer

                        Liebe Maria,

                        nun finde ich endlich Zeit, dir auf deine ausführliche Mail zu antworten – und nochmals ganz herzlichen Dank für deine Mühe!

                        Also, wie ich dir bereits geschrieben hatte, hat mir an diesem Film besonders gefallen, dass diese „Opfer-Deutung“ bzgl. Jesus mal etwas aufgebrochen wurde.
                        Dass ein Gott Seinen Sohn opfern muss, um die „böse“ Menschheit von ihren Sünden zu befreien, hat mir noch nie eingeleuchtet.
                        Schon eher, dass ES einen Boten sendet, der die Menschheit aufrüttelt und zur inneren Umkehr anhält – und nicht um Gottes Willen, sondern um deren selbst Willen.
                        Meine eigene langjährige Lebenserfahrung lehrt mich, dass, wenn wir die Gebote des Lebens einhalten, wir gesegnet sind und nicht in die Irre gehen können.
                        Wie es so schön heißt:

                        „Kümmert euch zu allererst um das Reich Gottes inwendig in euch, dann wird euch alles andere wie von selbst zufallen.“

                        Genau das erlebe ich seit vielen, vielen Jahren – und dies hat mein Vertrauen in die Kraft des Lebens immer mehr anwachsen lassen.

                        Der Film ist offenbar im Auftrag der Gabriele-Sophia-Stiftung entstanden:

                        https://www.gabriele-stiftung.org/

                        Wie gesagt, mir ist dies nicht so wichtig, da ich die Impulse einfach wirken lasse, egal, woher sie stammen…und „das Wahre“ geht dann in Resonanz mit meinem Innersten.
                        Wenn jemand noch nicht so bewusst ist und in sich das Wahre nicht vom Falschen unterscheiden kann, wird es immer schwer sein, das Rechte aus der Flut der Informationen herauszufischen – dies kann man jedoch erlernen.
                        Denn, ich finde, egal von wem etwas ist, es besteht niemals die Gewissheit, dass es rechtens, d.h. im Einklang des Lebens ist.
                        Menschen sind nicht homogen…
                        Im Allgemeinen ist es jedoch sicherlich hilfreich, zu wissen, aus welcher Quelle etwas stammt.

                        Bzgl. der Haltung der Kirchen gegenüber anderen religiösen Strömungen, bin ich ganz deiner Meinung – ein Armutszeugnis, wenn ich Andersgläubige verfolgen und brandmarken muss.
                        Jemand, der fest in seinem Glauben steht, hat diese Geisteshaltung nicht nötig – und wie war das nochmal mit Toleranz, Akzeptanz und Achtung..??
                        Wenn eine Gemeinschaft seine eigenen Werte verrät, kann ich ihr nicht nachfolgen.

                        Mit Rudolf Steiner habe ich mich bisher nur wenig vertraut gemacht, jedoch hat es mich zu seiner Lehre bisher auch noch nicht so hingezogen.
                        Von Heinz Grill habe ich das Buch, „Ernährung und die gebende Kraft des Menschen“, was mir von der Geisteshaltung her sehr entspricht.
                        Meine geistigen Lehrer neben Jesus waren bisher u.a. Marc Aurel, H. Hesse, Paulo Coelho, Lao Tse, Osho, Paul Ferrini und Krishnamurti.
                        Im Kern erkenne ich darin eine große, wenn auch einfache Wahrheit:

                        „Alles ist eins, nichts existiert unabhängig von einander, sobald wir trennen, trennen wir uns vom Leben ab…“

                        Sri Aurobindo kenne ich leider nicht, jedoch stimme ich dem zu, dass die Menschheit wohl noch immer nicht reif ist für die Wahrheit.
                        Doch gibt es auch immer mehr Zeichen der Hoffnung, die wir nicht übersehen sollten, oft im Kleinen und Verborgenen.
                        Die kritische Masse ist oft gar nicht so groß…

                        Den Film von Pasolini habe ich gestern zu Ende gesehen.
                        Es ist ein ganz besondere Film, finde ich, jedoch auch nicht gerade leicht.
                        Die eine Passage, in der Jesus dicht gedrängt seine Sprüche ausspricht, finde ich schon fast beängstigend, ja bedrängend.
                        Warum dies so gestaltet worden ist, kann ich nicht nachvollziehen, da bräuchte jede Wahrheit für mein Empfinden viel mehr Raum, um auch entsprechend wirken zu können.
                        Wenn ich diese Sprüche in der Schrift lese, kann ich selber das Tempo bestimmen, dies behagt mir mehr.
                        So hatte ich es jahrelang mit dem Tao gehalten – ich hatte eine Kleinausgabe immer in meiner Hosentasche – und immer, wenn ich Zeit fand, las ich eine Stelle, die ich zufällig aufschlug.. 😉

                        Ganz herzliche Grüße soweit

                        Stefan

                • #6217
                  Maria
                  Administrator

                    Lieber Stefan,

                    zu deiner Anmerkung bezüglich des Pasolini-Filmes und insbesondere der Stelle, an der Christus spricht „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert…..“ (im Film Min. 35:04 – 35:44) (Mt 10, 34 – 39) habe ich nachgedacht. Ich lese dann die Stelle, lasse sie mehrere Minuten auf mich wirken und wiederhole diese meditative Betrachtung mehrere Tage. Dabei habe ich mir auch die Frage gestellt, was will Jesus ausdrücken, wenn er beispielsweise sagt „… des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein?“

                    Ich könnte mir vorstellen, dass mit dem „Schwert“ eine Art Unterscheidungsfähigkeit oder eine Konzentration gemeint sein kann in dem Sinne, dass wir lernen, welche Erscheinungen, Gefühle etc. himmlischer, geistiger und unvergänglicher Natur sind und welche dagegen vergänglich und irdisch sind. Also welche uns eher lösen und befreien und welche uns binden und in der Entwicklung nicht vorwärtskommen lassen. Ganz geheimnisvoll wirkt das Wort von den Hausgenossen, ich denke, es könnte damit auch die allerinnerste genetische Veranlagung gemeint sein, aus der wir uns meist am schwersten befreien können. Um nur ein Beispiel zu nennen: Werden uns Menschen von klein an Schuldgefühle eingeimpft, dann ist es alles andere als leicht – wenn etwas nicht günstig im Leben verläuft – die Situation frei von solchen Gefühlen, objektiv zu betrachten und wieder vorwärtszugehen.

                    Ich weiß nicht, ob du dich mit der Bhagavadgita mal beschäftigt hast. Da tritt auch so eine Situation ein, dass der „Held“, Arjuna, verzagt, weil er auf dem Kampffeld steht und nun sieht, er muss gegen seine Verwandten ankämpfen und sie töten. Krishna unterweist Arjuna dann tiefgründig im Yoga und auch da wird die Unterscheidung zwischen himmlischen und vergänglichen Werten herausgestellt und Arjuna weiß zum Schluss, dass er nun kämpfen wird.

                    Ich sehe es so, dass wir mit spirituellen Schriften anders umgehen müssten als mit einem Roman oder Zeitungsartikel. Unser Intellekt begreift sie erst mal nicht und sie brauchen wiederholte meditative Hinwendung.

                    Eine Stelle im Film, die mir wie verwandt zu dieser von dir herausgegriffenen erscheint, ist diese:
                    Johannes spricht zu Christus: „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. „ Christus: „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Siehe, das sind meine Mutter und meine Brüder. Denn jeder, der den Willen des himmlischen Vaters tut, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter.“ (Min 56:40 – 58:27) (Mt 12, 46 – 50)
                    Diese Stelle ist in meinen Augen ungemein eindrücklich gefilmt. Die Mutter Jesu blickt voller Hoffnung und Liebe auf ihren Sohn, erfährt dann diese Worte, blickt zu Boden und erhebt bald ihren Blick voller neuer Hoffnung und Glaubenskraft wieder, so als würde sie den Gehalt der Worte erahnen.
                    Zu Pasolini habe ich in Bezug auf den Film nochmals nachgelesen. Er erschien ja 1964 und verblüffte die Menschen, vor allem auch Personen der Kirche. Denn Pasolini bezeichnete sich als Atheisten und gab an, er habe sich ganz in das Fühlen eines Gläubigen hineinversetzt und das mit unverfälschten Zitaten aus den Evangelien zum Ausdruck bringen wollen. Ich denke, deshalb wirkt der Film auch so intensiv, du meintest ja, fast zu intensiv. Ich finde, man muss ihn ja auch nicht in einem Stück ansehen, so wie ich das mit dem Film „Was wollte Jesus von Nazareth wirklich?“ auch gemacht habe.
                    Lieber Gruß, Maria

                  • #6255
                    Administrator
                    Administrator

                      Dieser Gedanke wurde mir von einer interessierten Forumsteilnehmerin zugesandt:
                      Goethezitat

                      • Diese Antwort wurde vor 1 Jahr, 11 Monaten von Administrator geändert.
                      • Diese Antwort wurde vor 1 Jahr, 11 Monaten von Administrator geändert.
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                    • #6260
                      Stefan
                      Teilnehmer

                        Liebe Maria,

                        herzlichen Dank noch für deine Gedanken und Ausfürungen!
                        Es wäre zumindest eine für mich sinnige und stimmige Interpretation dieser anfangs etwas verstörend wirkenden Worte Jesu.

                        Habe die Thematik sich nun in mir etwas setzen lassen und bin zu der Ansicht gekommen, bezüglich der Worte Jesu sollte man vielleicht bedenken, dass es gut sein kann, dass er es nicht wörtlich genau so gesagt hatte.
                        Er könnte es auch in der Art formuliert haben, dass er sagte: „Ich bin gekommen, die Wahrheit zu bringen, und die Wahrheit ist wie ein Schwert und kann dazu führen, dass ihr euch entzweit, der Sohn mit dem Vater…“ etc.

                        Es ist ja immer heikel, sich wortwörtlich auf Texte zu berufen, vor allem, wenn sie schon viele Jahre hinter sich haben.
                        Fehlerquellen wie ungenaue Übersetzungen, Verzerrungen, Verfälschungen etc. können da nie ausgeschlossen werden.
                        Insofern werde ich immer vorsichtiger mit dem geschriebenen Wort.

                        Die Stelle von Mt 12, 46 – 50 bzgl. wer seine Mutter, Schwestern und Brüder etc. seien, kenne ich gut und kann sie auch voll nachvollziehen.
                        Seit vielen Jahren hege ich eine Sichtweise, die diesen Worten entspricht, d.h. ich habe mir irgendwann gesagt, dass die Familie des Blutes wichtig für den Anfang unseres Lebens ist, aber dass später, wenn wir reifer und bewusster werden, wir uns selbst unsere geitige Familie gestalten können.

                        Wirklich bemerkenswert und interessant, dass Pasolini als Atheist solch einen Film dreht, aber möglicherweise ist er genau dadurch so „rein“ und direkt in seinen Aussagen und in seiner Wirkung.

                        Lichte Grüße
                        Stefan

                      • #6310
                        manden
                        Gesperrt

                          Maria, Stefan, und andere,

                          Jesus war wohl ein jüdischer Wanderprediger mit einer guten Moral.
                          Da könnten sich die derzeit Herrschenden eine dicke Scheibe abschneiden.
                          Aber er war wohl nicht Gottes Sohn.
                          Denn sein ‚Vater‘ existierte gar nicht.
                          Die Geschichten der Bibel sind zum grossen Teil eingebildet und erfunden.

                          Gruss
                          Manfred

                        • #6312
                          Stefan
                          Teilnehmer

                            Lieber Manfred,

                            was meinst du damit, wenn du schreibst, „Denn sein Vater existierte gar nicht“?

                            LG Stefan

                          • #6313
                            manden
                            Gesperrt

                              Lieber Stefan,

                              mit Vater bezeichnete Jesus seinen Gott, den Gott der Christen. Name : Yahweh.

                              Nach meinen Unntersuchungen existiert der christliche Gott aber nicht, und die christliche Religion ist im Wesentlichen falsch.

                              LG Manfred

                            • #6314
                              manden
                              Gesperrt

                                Zur Info : ich war bis ca.30 in der ev. Kirche, und habe mich dann mit 50 entschlossen, der Wahrheit über Gott auf den Grund zu gehen.
                                Dabei habe ich die Bibel 3x gelesen, auch den Koran. Aufschlussreich war aber vor allem, was im Internet über das Umfeld der Bibel zu finden war.
                                Man muss über Google suchen : Fehler und Widersprüche in der Bibel.
                                Da die Bibel laut ihr selbst und der Kirche das Wort Gottes ist, dürfte es da keine klaren Fehler und Widersprüche geben.
                                Ich habe damals ca. 50 klare Widersprüche gefunden.
                                Was es für die christliche Religion bedeutet, dass die Bibel nicht das Wort Gottes ist, schreibe ich bei Interesse.

                                LG Manfred

                              • #6317
                                Stefan
                                Teilnehmer

                                  Lieber Manfred,

                                  hast du auch mal „Das Evangelium des vollkommenen Lebens“ (Essener Evangelium) gelesen?
                                  Da steht so manches anders drinnen als im üblichen Evangelium, für mich viel stimmiger.
                                  Auch ich habe viele Jahre verschiedene Bibeln studiert und bin nicht imemr auf einen grünen Zweig gekommen.
                                  Später habe ich mich immer mehr auf das Neue Testament konzentriert.
                                  Die Bibel ist sicherlich immer wieder umgeschrieben, teilweise nich tkorrekt übersetzt und auch verändert (verfälscht?) worden, jedoch gibt es eine einfache Methode, um die „Göttliche Wahrheit“ (von woher auch immer) herauszufischen.
                                  Meiner Ansicht und Erfahrung nach geht das Göttliche stets in Resonanz mit unserem inneren Göttlichen, insofern spüren wir, was wahr und was nicht wahr ist.
                                  Das Resonanzprinzip ist eine allgemeingültige Gesetzmäßigkeit im Leben – „Es geschehe nach eurem Glauben“, s. auch die Hermetischen Gesetze.

                                  LG Stefan

                                • #6322
                                  manden
                                  Gesperrt

                                    Lieber Stefan,

                                    das Essener-Evangelium habe ich nicht gelesen. Die Bibel 3x.
                                    Wie Du schon andeutest, ist die Bibel nicht das Wort Gottes.
                                    Damit ist aber die christliche Religion schon erledigt !
                                    Denn die Bibel muss das Wort Gottes sein , damit vieles, was insbesondere über Gott in ihr steht, wahr sein kann.
                                    Was wir Göttliches in uns haben, ist die echte Moral, die der wirkliche GOTT der Menschheit mitgegeben hat, die sie aber zum grossen Teil verdrängt, verfälscht und missachtet.

                                  • #6324
                                    manden
                                    Gesperrt

                                      Lieber Stefan,

                                      ich spreche aus, was man sonst kaum hört : die Religionen der Menschheit sind falsch – im Wesentlichen.
                                      Das sieht man am Zustand der Menschheit : furchtbare Kriege und ca. 25000 Hungertote täglich.
                                      Für das Christentum kann ich es auch im Detail beweisen.
                                      Die Menschheit braucht endlich ihren wirklichen GOTT.
                                      Denn dass es einen Gott gibt, ‚glauben‘ doch noch viele Menschen.
                                      Zu recht !

                                    • #6326
                                      Adrian Eschlert
                                      Teilnehmer

                                        Lieber Manfred,
                                        Du schreibst in einem anderen Beitrag, dass die Menschen miteinander reden müssen. Das sehe ich ganz genauso. Ein schlechter Einstieg für ein Gespräch ist es für mich, wenn man sagt, die christliche Religion sei erledigt oder widerlegt. Bezieht jemand z.B. seine Vorstellung von Frieden aus dem Bild von Christus als Friedensbringer, muss das für ihn beleidigend oder sogar erniedrigend wirken. So herablassend ist aus meiner Sicht oft die Haltung der Kirche in der Vergangenheit oder auch heute gegenüber anderen Religionen, auch wenn sie sich äusserlich oft tolerant gibt. Ich persönlich sehe es so, es gibt institutionalisierte Formen von Religion und eine individuelle Spiritualität. Wegweisend für Toleranz und achtungsvollen Umgang miteinander ist für mich auch das berühmte „Die Vielfalt religiöser Erfahrung“ von William James, wenn Du diese Schrift vielleicht kennst. Meine Erfahrung und Beobachtung bei anderen Menschen ist auch, dass die Auffassung von Spiritualität sich in einem Leben sehr stark und mehrfach wandeln kann, eine Erfahrung, die Du ja offenbar auch gemacht hast. Schreib doch mal, welche Quellen Dein Verständnis davon prägen, was der „wirkliche Gott“ ist.
                                        Interessierte Grüße, Adrian

                                      • #6327
                                        manden
                                        Gesperrt

                                          Lieber Adrian,

                                          das ist auch so gemeint.

                                          Du machst Dir Gedanken über Jesus – wir kennen ja nur den Jesus der Bibel. Wie Jesus wirklich war, wissen wir nicht.
                                          Ich denke aber doch, dass etwas vom wirklichen Jesus auf die Figur des Jesus der Bibel abgefärbt hat.
                                          Dass Jesus so war, wie es in der Bibel beschrieben, ist, wissen wir leider nicht. Denn die Bibel ist nicht das Wort Gottes.
                                          Den Beweis, dass die Bibel nicht das Wort Gottes ist, habe ich Kirchen zukommen lassen. Aber die reagieren nicht.
                                          Es ist eigentlich ganz einfach : wenn die Bibel klare Fehler oder Widersprüche hat, ist sie nicht das Wort Gottes.
                                          Und das ist der Fall : sie hat viele Widersprüche. Nur einen : 1.Sam 15,2-3 zu 1.Joh 4,16.
                                          Ich will niemanden beleidigen oder erniedrigen, aber die Wahrheit m u s s gesagt werden !
                                          Ich habe die Bibel 3x gelesen und alles mögliche drum rum. Ich bin sowas wie ein Bibelexperte.
                                          Die Wahrheit über den wirklichen GOTT hat nichts mit der Bibel oder den anderen Religionen zu tun.
                                          In 20 Jahren intensiver Suche habe ich sie schliesslich an der Schöpfung erkannt.

                                          LG Manfred

                                        • #6431
                                          manden
                                          Gesperrt

                                            Warum ist der Gott der Bibel falsch.

                                            Die Bibel muss das Wort Gottes sein, damit vieles, was in der Bibel über Gott geäussert wird, richtig sein kann.
                                            Nun ist aber die Bibel n i c h t das Wort Gottes, da sie Widersprüche hat (siehe voriger Beitrag).
                                            Vieles was in der Bibel über deren Gott geäussert wird, ist also falsch oder zumindest unglaubwürdig.

                                          • #6645
                                            Maria
                                            Administrator

                                              Liebe Forumsleser und -schreiber,

                                              zu dem Forumsthema, das einen Austausch bezüglich der Evanglien und des Christus eröffnet, möchte ich nach den eingegangenen Beiträgen noch eine Anregung geben. Ich bin ein Mensch, der anerkennt, dass es inspirierte Schriften gibt, man kann auch sagen, Heilige Schriften. Was die Weltreligionen betrifft, habe ich mich mit dem Neuen Testament und mit der Bhagavadgita, der heiligen Schrift des Hinduismus, tiefer befasst. Und ich bin noch lange nicht damit fertig.
                                              Eine Grundfrage zu diesem Thema ist jene: Erkenne ich an, dass es Schriften gibt, die von sehr weisheitsvollen Personen geschrieben wurden, von Menschen, die nicht um ihrer selbst lebten, die Einsichten in göttliche Geheimnisse hatten, die durchdrungen von Weisheit und Liebe diese Schriften verfassten oder erkenne ich das nicht an.
                                              Im zweiten Fall bleibt mir nichts anderes übrig, als heilige Schriften gleich welcher Religion – oder auch andere inspirierte Literatur – mit meinem Intellekt erfassen zu wollen. Und dann kommt nach meiner Erfahrung etwas heraus, was nur Missverständnisse, Überhebung und letztlich eine Leugnung des Geistes zur Folge hat. Ich setze meinen (begrenzten) Intellekt über eine göttliche Offenbarung.
                                              Ich möchte betonen, dass ich mit dem Anerkennen von spirituellen Schriften keinesfalls einen blinden Glauben und ein blindes Nachfolgen meine. Vielmehr ein hochaktives Erforschen und wiederholt meditatives Ausrichten auf deren Aussagen. Meine Denktätigkeit wird sogar in höchstem Maße angeregt und gefordert. Aber eben nicht meine rein intellektuelle, reflektierende, sondern meine viel größer angesetzte schöpferische Denkfähigkeit.

                                              In dem Zusammenhang erwähne ich wiederum gern Goethe, der seine wissenschaftlichen, philosophischen und literarischen Errungenschaften auf einem solchen Denken gründete, das er selbst auch genau beschrieb. Vielleicht ist manchen von euch seine Aussage bekannt:

                                              “Nicht das macht frei, daß wir nichts über uns anerkennen wollen, sondern eben daß wir etwas verehren, das über uns ist. Denn indem wir es verehren, heben wir uns zu ihm hinauf und legen durch unsere Anerkennung an den Tag, daß wir selber das Höhere in uns tragen und wert sind, seinesgleichen zu sein.”

                                              Ich bin davon überzeugt, dass die Schreiber der Evangelien aus einer tiefen Inspiration schrieben, durchdrungen von der Liebe und Wahrheit des Christus, dem sie nachgefolgt waren.
                                              Dass es in den Übersetzungen Fehler und Ungenauigkeiten gibt, das glaube ich auch. Ebenso, dass bestimmte, der Kirche nicht gefällige Themen (z.B. die Reinkarnation) herausgestrichen wurden. Dennoch tragen diese Schriften bis heute eine Kraft in sich. Ebenso wie die Schriften anderer Weltreligionen. Ich finde den Gedanken nachdenkenswert, was eine inspirierte Schrift ist und was es bewirkt, wenn ich mich ihr hinwende.

                                              Maria

                                            • #6646
                                              manden
                                              Gesperrt

                                                Liebe Forumsleser und -schreiber,

                                                ich möchte zum Beitrag von Maria meine Stellungnnahme abgeben.
                                                Anders als Maria bin ich davon überzeugt, dass es keine inspirierten Schriften von Religionen gibt.
                                                Begründung : Der wirkliche GOTT greift hier nicht ein (erkennbar) – seit mindestens 5000 Jahren. So weit kann man einigernassen zurückschauen.
                                                Wenn es Kriege gab, hat der wirkliche GOTT nicht eingegriffen. Und es gab ständig welche (bis heute).
                                                Zudem wird von verschiedenen Religionen einfach nur behauptet, ihre Schriften seien inspiriert.
                                                Wenn man genauer prüft, stellt sich das als falsch heraus – Widersprüche in der Bibel.
                                                Es gibt eine göttliche Offenbarung – das ist seine Schöpfung.
                                                Die Bibel ist im Wesentlichen falsch. Das lässt sich klar zeigen. Sie müsste das Wort Gottes sein. Ist sie aber nicht ! Sie hat Widersprüche.
                                                Wie gesagt, die sogenannten inspirierten Schriften sind nur Menschenwerk !

                                              • #6649
                                                Maria
                                                Administrator

                                                  Hallo Manfred,
                                                  es ist dein gutes Recht, davon überzeugt zu sein, dass es keine inspirierten Schriften gibt. Und es ist mein gutes Recht, dir hier zu schreiben, dass deine mantrahafte Wiederholung vom wirklichen Gott, ohne weitere Inhalte darzulegen, ohne an Denkansätzen anderer Schreiber wirklich anzusetzen, weder für mich noch für bisherige andere Leser und Schreiber von tieferem Interesse ist.
                                                  Ich schlug dir schon mal vor, wenn du andere von deiner Weltanschauung überzeugen willst, ein eigenes Forum zu gründen. Dann musst du halt darauf warten, ob es irgendjemand interessiert. Und wenn der von dir gefundene wirkliche Gott nicht auf Interesse stösst, dann kannst du dich auch fragen, warum das so ist. Und dann musst du halt aushalten, dass du ein weiser Mann bist, der von niemandem verstanden wird. So schreibst du in einem anderen Forumsbeitrag. Wenn du der weiseste Mann der Menschheit bist, dann gratuliere ich dir dazu, aber du wirst die Einsamkeit ertragen müssen, dass wir alle nicht so weise sind wie du. Ich schreibe jedenfalls hier gerne weiter mit interessierten und nach Erkenntnis suchenden Menschen, die aufeinander eingehen, den Dialog suchen und pflegen, die nicht missionieren, sondern voneinander lernen wollen.

                                                  Maria

                                                • #8769
                                                  Stefan
                                                  Teilnehmer

                                                    Liebe Leser,

                                                    gerade habe ich mir die obigen Beiträge nochmal durchgelesen, da ist mir beim letzten Beitrag von Manfred etwas aufgefallen – er schreibt da, dass die sog. inspirierten Schriften seiner Ansicht nur Menschenwerk seien und außerdem über seinen „wirklichen Gott“:

                                                    Es gibt eine göttliche Offenbarung – das ist seine Schöpfung.“

                                                    Da entsann ich mich, dass ich mal einen Ausspruch von Jesus irgendwo gelesen hatte (ich meine, es war im Essener Evangelium), der sinngemäß lautet:

                                                    Was sucht ihr den lebendigen Gott in toten Schriften, der lebendige Gott ist nur im Lebendigen zu finden, nämlich in seiner Schöpfung und nicht in toten Buchstaben, was nur Menschenwerk ist…

                                                    Finde ich interessant!

                                                    Maria, Du wirst Dich da wieder schwer tun, da ich eben leider nicht mehr die Quelle dazu weiß…
                                                    Trotzdem wollte ich es hier erwähnen, da es beim Durchlesen in meinem Geiste plötzlich zum Vorschein kam.

                                                    Aber eigentlich wollte ich zu etwas ganz anderem etwas schreiben…;-)

                                                    Neulich las ich einen Text, der anfing mit „Je suis“, was auf Französisch „Ich bin“ heißt.
                                                    Es war jedoch so nah zusammen geschrieben, dass ich es zuerst als ein Wort las: Jesuis.
                                                    Fällt euch was auf?
                                                    Da steckt Jesus drinnen…oder Jesu is(t).
                                                    Finde ich spannend!

                                                    Jetzt können wir das Ganze weiter spinnen und sagen: Jesus = Ich bin.
                                                    Und was sagt Jesus über sich selbst:

                                                    „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum VATER, denn durch mich!“

                                                    Schon erstaunlich, was?
                                                    Was ich mich nun gefragt habe, ist, was diese Aussage von ihm eigentlich bedeutet?

                                                    Gott sagt ja von sich selbst: „Ich bin, der ich bin (da)“

                                                    Und nun „Ich bin“ von Jesus – was ist also der Unterschied?

                                                    Wenn ich „Ich bin“ sage, dann kann es bedeuten:

                                                    Ich bin glücklich, ergriffen, offen, fröhlich, hungrig, müde, verärgert, traurig…

                                                    Es geht also um Seinszustände in uns, wie unser Empfinden gerade ist.
                                                    Und wenn ich dieses innere Empfinden nun wahrnehme, also als wahr nehme, dann ist das vielleicht der Weg und meine innere Wahrheit in diesem Augenblick – und der führt möglicherweie zum Leben…?
                                                    Und wenn wir dann noch einen Schritt weiter gehen und sagen, gut, ich mache das nicht nur bei mir, sondern möglichst auch bei meinem Mitmenschen bzw. allen Lebewesen, dann sind wir beim:

                                                    „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

                                                    oder der „Goldenen Regel“:

                                                    „Behandle den Anderen so, wie du selber gerne behandelt werden möchtest!“

                                                    Für mich mal ein ganz neuer Ansatz zum Verständnis dieser Worte von Jesus!
                                                    Was mir daran gefällt, ist, dass es so greifbar, selber erlebbar und nachvollziehbar für mich ist.
                                                    Es ist kein abstraktes theologisches oder philosophisches Modell, sondern in mir direkt erfahrbar.

                                                    Im Grunde sollte es das Selbstverständlichste von der Welt sein, dass wir auf unser Empfinden hören und entsprechend handeln, tun wir aber oft nicht…oder?
                                                    Es gibt dann oft irgendwelche Gründe, warum das nun gerade nicht geht – und schaden uns damit womöglich mehr als wir vermuten?

                                                    Was bedeutet denn „…zum VATER kommen…“?

                                                    Ich würde sagen, wir kommen zurück in die Einheit, in die Fülle, ins Leben, in die Glückselkigkeit und dadurch in den Frieden – in uns und dadurch mit allem.
                                                    Genau in die Zustände, wenn wir mit uns selber eins sind, also wenn wir unserem inneren Empfinden nachfolgen…

                                                    Und das „Ich bin, der ich bin“ bedeutet für mich, Gott ist einfach die Summe aller Möglichkeiten und kann sich in unzähligen Formen zeigen.

                                                    Eure Gedanken dazu würden mich sehr interessieren!

                                                    Mit lichten Grüßen

                                                    Stefan

                                                  • #8771
                                                    Stefan
                                                    Teilnehmer

                                                      Liebe Leser,

                                                      ein weiterer Aspekt, der mich schon länger beschäftigt, ist diese (symbolische) Geschichte mit dem Sündenfall im Paradies…
                                                      Baum der Erkenntnis, Baum der Erkenntnis von gut und böse, Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, Vertreibung etc.
                                                      Was bedeutet das alles?

                                                      Da ich, wie bereits oben angedeutet, diese Schilderungen nicht zeitlich erfasse, sondern symbolisch, hier mal ein Deutungsversuch:

                                                      Das Paradies ist unser Körper.

                                                      Der Baum der Erkenntnis von gut und böse ins unser Verstand, der bewertet, einteilt, trennt und uns damit aus unserem Paradies (natürliche Harmonie unseres Körpers/Geistes) hinaus befördert – wir sind dann soz. „von Sinnen“ oder „nicht ganz bei Sinnen“, d.h. wir können uns und das Leben nicht mehr natürlich als Einheit wahr-nehmen, da wir die Brille der Wertung aufgezogen haben, welche überall Trennung sieht.

                                                      Der Baum der Erkenntnis ist unser Herz, denn nur damit können wir wirklich erkennen, meine ich.

                                                      Der Baum des Lebens in der Mitte des Gartens ist unser Geschlecht, da wir dadurch schöpferisch wirken können.

                                                      D.h. auch für mich, dass der geschlechtliche Akt zwischen Mann und Frau nur in der Liebe wirklich förderlich ist, ansonsten führt er wohl zu Störungen (Disharmonie) im Körper wie auch im Geistigen, da Körper und Geist für meine Begriffe eine Einheit darstellen.

                                                      Es ist eine Einheit, so wie für mich die Schöpfung und der Schöpfer eine Einheit sind.
                                                      So wie Jesus spricht:

                                                      „Wer mich gesehen hat, der hat den VATER gesehen.“

                                                      Auf eure Gedanken dazu freue ich mich sehr!

                                                      Lichte Grüße
                                                      Stefan

                                                      • #8776
                                                        Jens
                                                        Teilnehmer

                                                          Hallo Stefan,
                                                          ich finde die Geschichte ziemlich rätselhaft und bin ziemlich weit vom Verständnis entfernt denke ich. Nur mal als spontaner Gedanken aus mehr anthroposophischem Hintergrund dazugesetzt, ein bisschen eine Mischung aus Deinen Gedanken und Marias: Rudolf Steiner weist ja immer auf das unterschiedliche Bewusstsein der damaligen Zeit und der heutigen Zeit hin, und auf die notwendige Bewusstseinsentwicklung in der Menschheit durch den Christus. Nach Rudolf Steiner war die „Verstandesentwicklung“, also die Trennung von Gut und Böse, sinnvoll und gewissermassen Voraussetzung für eine neues, noch zu entwickelndes höheres oder reiferes Bewusstsein, dass sowohl die irdische Welt als auch die göttliche Welt „erkennt“, oder „sieht“. Er selbst spricht auch von Herzdenken. Das Verhältnis von Sexualität und Spiritualität in der anthroposophischen Auffassung verstehe ich so, dass die Bedeutung des Christusimpulses darin liegt, dass der Mensch nun alle irdischen Verhältnisse, bis in die Materie, durch sein Bewusstsein bzw. seine Liebeskraft verwandeln kann (was als Transsubstantiation bezeichnet wird) und auch eine Erlösungs- und Heilkraft entwickelt. Dies ist gewissermassen seine „primäre“ Zeugungskraft und Schöpferkraft, die in Zukunft noch grösser werden wird. Soweit kann ich es noch gut beschreiben, wie es mit der Einheit von Sexualität und Liebe aussieht, da bin ich im Moment noch überfragt.
                                                          Herzliche Grüße, Jens

                                                          • #8779
                                                            Stefan
                                                            Teilnehmer

                                                              Lieber Jens,

                                                              herzlichen Dank für Deine Gedanken dazu!

                                                              Erkennen durch „Herzdenken“, ja, sehr schön formuliert!

                                                              Das mit dem Erkennen von gut und böse ist ja so eine Sache.
                                                              Seit Jahren bin ich bestrebt, genau diese Unterscheidung in mir zu löschen, genau um wieder in diese göttliche Harmonie (in den paradiesischen Zustand), von der Maria auch spricht, zu gelangen.
                                                              Denn sobald wir diese Wertung vornehmen, entstehen Ängste in uns…
                                                              Im Grunde können wir nicht sagen, was „gut“ und was „böse“ ist, da wir einen viel zu kleinen Blickwinkel der Geschehnisse haben.

                                                              Heute habe ich z.B. von einer Geschichte gehört, bei dem ein in den Wellen sehr talentiertes und erfolgreiches junges Mädchen auf Hawaii beim Surfen von einem Hai einen Arm abgebissen bekommen hat.
                                                              Sie hatte dank der Freunde, die ihren Arm geistesgegenwärtig abgebunden hatten, dass sie nicht verblutet, überlebt – und geht wieder in die Wellen…
                                                              Durch dieses dramatische Ereignis, wo wir nun sagen könnten, der Hai ist böse, ist dieses Mädchen jedoch in einen tiefen inneren Prozess gekommen, da ihr klar wurde, dass sich auf körperlicher Ebene sehr schnell sehr viel verändern, und dass das nicht alles im Leben sein kann…
                                                              Also könnten wir sagen, der Hai war eine „Hilfe Gottes“, damit sie diesen förderlichen Prozess früh in ihrem Leben hatte erleben können.

                                                              Im Grunde können wir vielleicht sagen, „Dies ist gut für…“ oder „Dies ist nicht so gut für…“, aber nie im Absoluten, da wir den Verlauf unseres Lebensweges und die Fügungen darauf, welche uns daran wachsen lassen, nie wissen können.
                                                              Gut und böse setzt ja ein Ziel voraus – wenn das übergeordnete Ziel im Leben jedoch unsere Entwicklung in unserer Liebesfähigkeit ist, dann kann uns alles diesbezüglich dienlich sein – und diese Unterscheidung löst sich damit auf.

                                                              Möglicherweise gilt es auch, diesen Zusamménhang zu erkennen..?

                                                              Sicher können wir davon ausgehen, dass alles das, was in Liebe geschieht, also auch die Sexualität, förderlich wirken mag.
                                                              Und, da bin ich ganz bei Steiner, ist es wohl des Menschen Aufgabe, alles Körperliche zu „vergeistigen“, sprich, alles ganz bewusst zu tun, was ich auch mit „Liebe“ in Verbindung bringen würde.

                                                              Wenn uns imnmer mehr bewusst wird, dass wir ja Geist sind und nicht der Körper, und dass wir damit ewiges Licht sind, „Gottes Ebenbild“, wie es so schön heißt, dann relativiert sich alles Weltliche bzw. Körperliche und wird nicht mehr soo wichtig für uns.
                                                              Damit fallen auch unsere Ängste weg, d.h. die Liebe, die wir ja von unserem Wesen her sind, kann wieder vollends zutage treten – und alles Weltliche durchfluten.
                                                              Und dann erst werden wir uns auch im Weltlichen/Körperlichen nicht mehr gehemmt oder als Opfer fühlen, sondern frei und lebendig, frei, um zu lieben.

                                                              Herzliche Grüße
                                                              Stefan

                                                        • #8773
                                                          Maria
                                                          Administrator

                                                            Lieber Stefan, liebe Leser,

                                                            eine gute Anregung von dir. Die Geschichte ist wohl vielen bekannt, Adam und Eva, die Schlange, die Eva verführt, Eva, die Adam verführt und dass die ersten beiden Menschen dann aus dem Paradies vertrieben werden. Ich finde es interessant, sie nochmal ganz genau zu lesen. Das habe ich eben getan und stelle den Text herein. Altes Testament 1.Moses 3

                                                            Der Sündenfall des Menschen

                                                            → Mt 4,1-11; 2Kor 11,3; 1Tim 2,14
                                                            3
                                                            1 Aber die Schlange[1] war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, daß ihr von keinem Baum im Garten essen dürft? 2 Da sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen; 3 aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Eßt nicht davon und rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt! 4 Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! 5 Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon eßt, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was gut und böse ist!
                                                            6 Und die Frau sah, daß von dem Baum gut zu essen wäre, und daß er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß.
                                                            Die Folgen des Sündenfalls

                                                            → Jak 1,13-15; Röm 5,12-21
                                                            7 Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, daß sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze. 8 Und sie hörten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten wandelte, als der Tag kühl war; und der Mensch und seine Frau versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des Herrn hinter den Bäumen des Gartens.
                                                            9 Da rief Gott der Herr den Menschen und sprach: Wo bist du? 10 Und er antwortete: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen! 11 Da sprach er: Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du solltest nicht davon essen? 12 Da antwortete der Mensch: Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, die gab mir von dem Baum, und ich aß! 13 Da sprach Gott der Herr zu der Frau: Warum hast du das getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt; da habe ich gegessen!
                                                            14 Da sprach Gott der Herr zur Schlange: Weil du dies getan hast, so sollst du verflucht sein mehr als alles Vieh und mehr als alle Tiere des Feldes![2] Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Staub sollst du fressen dein Leben lang! 15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen[3] und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.[4] 16 Und zur Frau sprach er: Ich will die Mühen deiner Schwangerschaft sehr groß machen; mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; und dein Verlangen wird auf deinen Mann gerichtet sein,[5] er aber soll über dich herrschen! 17 Und zu Adam sprach er: Weil du der Stimme deiner Frau gehorcht und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir gebot und sprach: »Du sollst nicht davon essen!«, so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen! Mit Mühe sollst du dich davon nähren dein Leben lang; 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Gewächs des Feldes essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du [dein] Brot essen, bis du wieder zurückkehrst zum Erdboden; denn von ihm bist du genommen. Denn du bist Staub, und zum Staub wirst du wieder zurückkehren!
                                                            20 Und der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva[6]; denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen. 21 Und Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie. 22 Und Gott der Herr sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, indem er erkennt, was gut und böse ist; nun aber – daß er nur nicht seine Hand ausstrecke und auch vom Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe! 23 So schickte ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, damit er den Erdboden bearbeite, von dem er genommen war. 24 Und er vertrieb den Menschen und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim[7] lagern und die Flamme des blitzenden Schwertes, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.

                                                            Wenn wir das so bildlich vor uns haben, kann man auch den einen oder anderen Aspekt herausgreifen. Ich persönlich habe mir noch keine tieferen Gedanken dazu gemacht, werde dies aber bewegen.

                                                            Herzlich, Maria

                                                          • #8774
                                                            Maria
                                                            Administrator

                                                              Lieber Stefan, liebe Leser,

                                                              ich hatte diese Geschichte schon lange nicht mehr gelesen. Das mit der Schlange, wie raffiniert sie frägt und schließlich zum Essen des Apfels verführt, das war mir gar nicht mehr im Bewusstsein. „Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?“ Und Eva antwortet ganz kindlich und aufrichtig und die Schlange macht sich das zunutze…. So erscheint mir heute das Bild. Und es ist ein typisches Vorgehen oder eine typische Beschreibung dessen, was List ist.

                                                              Jetzt ist natürlich wieder die Frage, wie interpretiert man die ganze Geschichte? Wie erschließt sie sich? Ein Versuch von mir, wenn ich mal das Paradies herausgreife: Kann mit Paradies nicht der Zustand des Einsseins von Gott und Mensch gemeint sein? Adam und Eva sind sich keiner Trennung bewusst, sie sind sich auch ihres Körpers nicht wirklich bewusst, sie leben im Paradies und es ist für sie gesorgt. Ähnlich wie ein Säugling oder Kleinkind sich ganz mit seinen Eltern und seiner Umgebung verwoben fühlt und noch nicht eine Trennung und ein eigenes Ich wahrnehmen kann. Und könnte es nicht auch sein, so wie wir Menschen eine Entwickling durchgehen, dass diese Trennung von einem paradiesischen Zustand der Einheit notwendig ist, um zu Individualität und Erkenntnisstreben befeuert zu werden und diesen Zustand der Einheit auf neue Weise zu schaffen? Dass der Wunsch nach Einheit in uns Menschen damit grundgelegt ist, es aber einer Sonderung und Trennung bedarf, um erkennend zu einer neu errungenen Einheit und Verbindung zu gelangen. Wenn ich ganz mit etwas verwoben bin, kann ich es ja nicht objektiv erkennen. Im Hinschauen zum Objekt und Erforschen erschaffe ich auf neue Weise eine Verbindung. Das sind erste Gedanken, jedenfalls ist das Thema des Einsseins und der Trennung ein ziemlich existentielles in unserem Dasein. Ich bewege es weiter und vielleicht hat jemand ja noch einen ganz anderen Ansatzpunkt.

                                                              LG Maria

                                                              • #8780
                                                                Stefan
                                                                Teilnehmer

                                                                  Liebe Maria,

                                                                  Deine Gedanken, dass möglicherweise erst Trennung sein muss, damit eine neue Art der Einheit erreicht werden kann, geht mit mir sehr in Resonanz.
                                                                  Vielleicht können wir sagen, wir haben dadurch die Möglichkeit, aus freien Stücken und ganz bewusst diese Einheit wieder herstellen zu wollen.
                                                                  Und dann wäre der „böse“ Sündenfall wiederum sogar eine notwendige Voraussetzung dafür, dass der Mensch bewusst entscheiden lernt…?
                                                                  Dass er erkennt, dass sein natürliche Zustand, nämlich in Gott zu verweilen, das Beste ist, was er tun kann?

                                                                  Im Grunde ist es für mich ja schon merkwürdig genug, dass ein vollkommener Gott, von dem gesagt wird, dass ER/ES Liebe ist, so etwas wie eine listige Schlange erschafft…?
                                                                  Vielleicht auch nur eine etwas zu menschlich gedachte Vorstellung von einem Gott, um sich manch Unerklärbares, scheinbar Böses im Leben erklären zu können?

                                                                  Wenn wir davon ausgehen, dass Gott alles erschaffen hat und es nichts gibt, was nicht von IHM/ES durchdrungen ist, wo kann dann eigentlich etwas Böses entstanden sein?
                                                                  Dies hat mir noch nie eingeleuchtet.
                                                                  Gut, wenn wir sagen, die erschaffenen Geistwesen sind mit einem eigenen Willen ausgestattet, dann gibt es natürlich auch die Möglichkeit, sich gegen Gott zu stellen…dann wären wir bei Luzifer…auch eine Art Sündenfall.
                                                                  Und dann sind wir wieder bei gut und böse.
                                                                  Wenn wir jedoch Luzifer als unseren Freund ansehen, da wir erkennen, dass er uns im Grunde nur prüft und keine wirkliche Macht über uns hat, außer wir geben sie ihm, dann löst sich diese Unterscheidung auch wieder auf.

                                                                  Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, die Liebe löst es immer auf! 🙂
                                                                  Dies ist doch beruhigend, finde ich.
                                                                  Einen Feind gibt es nurt dann, wenn wir ihn dazu erklären.
                                                                  Das Böse gibt es nur, in dem wir es so benennen/sehen wollen.
                                                                  Somit löst sich in der Liebe diese Dualität auf – und führt uns in die ersehnte Freiheit, in den ursprünglichen Frieden.

                                                                  Was den Menschen anbelangt, stellt sich mir ja bereits die Frage, was ist denn eigentlich der „Mensch„?
                                                                  Ist er Geist?
                                                                  Oder Geist im Körper?
                                                                  Oder nur Körper?
                                                                  Wenn es in der Schrift heißt, er sei Staub, bezieht man sich ja nur auf den Körper.
                                                                  An anderer Stelle heißt es aber doch, „…Gott hauchte ihm seinen Atem ein und er wurde zu einer lebendigen Seele…“
                                                                  Und aus unserem täglichen Erleben wissen wir ja gut genug, dass etwas den Körper steuert, was wir „Geist“ nennen, und wenn dieser aus dem Körper austritt, er verendet.
                                                                  Und als „Gottes Ebenbild“ müßten wir sowieso ewig leben.

                                                                  Vielleicht können wir sagen, so wie Gott in seiner Schöpfung lebt und wirkt, so lebt der Mensch in seinem Körper, wir können es im Grunde nicht trennen, denn auch „Körper“ sind ja nichts anderes als Schwingung, also „Geist“, nur halt eine andere wie reiner Geist/Schwingung ohne Körper.
                                                                  Die sogenannte Festigkeit der Materie hat sich im Zuge der Quantenphysik in Schwingung aufgelöst, d.h. es gibt im Grunde gar nichts Festes, kein kleinstes Teilchen, die Übergänge sind fließend, irgendwann ist alles nur noch Schwingung.
                                                                  Unser „Körper“ besteht ja zu 99,999999999 % aus sog. leerem Raum…also, was ist er dann eigentlich?
                                                                  Schwingung, genauer gesagt Licht.
                                                                  Es ist also nicht einmal eine Metapher, dass wir Lichtwesen sind, es ist rein physikalisch so.

                                                                  Insofern gibt es auch keine Trennung, denn dieser Raum in uns geht ja nahtlos über in den Weltraum.
                                                                  Eine Trennung existiert also nur in unserer Vorstellung, d.h. es existiert nur Liebe…wovon sollen wir uns dann eigentlich abtrennen können?
                                                                  Wohin?
                                                                  Da es uns aber nach unserem Glauben geschieht, erleben wir Trennung, wenn wir daran glauben, dass wir getrennt sind.

                                                                  Schon kurios irgendwie!
                                                                  Also, alles nur Kopfkino?

                                                                  Glaubt man den sog. Erwachten, ja, es ist wohl diese Illusion, von der immer gesprochen wird…
                                                                  Und die gilt es wohl aufzulösen, um wieder in unseren ursprünglichen, paradiesischen Zustand zu gelangen.

                                                                  Lichte Grüße
                                                                  Stefan

                                                              • #8808
                                                                Maria
                                                                Administrator

                                                                  Lieber Stefan,
                                                                  ja, das sind einige gute Überlegungen. Zum Bösen möchte ich hinzufügen, ich kann mir das gut vorstellen, wie du schreibst, dass auch die erschaffenen Geistwesen einen freien Willen haben und es so zum Sturz des Luzifer kam. Du schreibst, die Liebe würde alle Trennung und auch das Böse auflösen, ich würde ergänzen, die Erkenntnis und die mit ihr verbundene Liebe. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es notwendig ist, sich mit dem sogenannten Bösen zu beschäftigen, es auch verstehen zu wollen, es in seinem innersten Motiv zu erkennen, und dass dann daraus eine neue Freiheit und ein anderer Umgang damit entsteht. Es kann dieses Studium sogar uns zu mehr Freiheit und Liebe beflügeln, und wenn ich mal ganz etwas Gewagtes sage, ich glaube, das Böse hat sogar diesen einzigen Zweck. Wenn ich es nicht auch erkennend begreifen will, besteht in meinen Augen die Gefahr, es nicht wirklich ernst zu nehmen und doch von ihm eingehüllt zu werden. Wir sehen das ja an den vielen Manipulationen und Narrativen, die uns in den Medien und im aktuellen Journalismus in ständiger Wiederholung vorgespielt werden (z.B. Russland ist böse, wir müssen kriegstüchtig werden, Europa ist gut etc.),ich denke, es braucht schon ein sehr waches aktives Bewusstsein, das sich eine eigene Anschauung bildet. Und aus dieser heraus das Ideal, wie ich leben will. Also, das mal zum Bösen.

                                                                  Interessant was du schreibst zu der Frage „Was ist der Mensch?“
                                                                  Es hängt ja sicher davon ab, welches Welt- und Menschenbild der Einzelne hat. Wenn ich glaube, dass ich aus einer geistigen Welt komme, auf der Erde in einem Körper lebe und dann zu einem bestimmten Zeitpunkt der Körper stirbt und wieder zu Staub wird, dass aber Seele und Geist weiterleben, dann habe ich ein anderes Bild als ein Mensch, der der Ansicht ist, dass mit dem Tod alles aus ist. Auch die Beobachtung, wie manche Menschen im Alter sogar schöner werden und man den Eindruck hat, es zeigt sich mehr das Seelische, obwohl der Körper an Kraft und Leistungsfähigkeit verliert, ist für mich ein Hinweis, dass da seelische und geistige Kräfte in uns wirken. Man kann in diesem Zusammenhang sehr viele Beobachtungen machen. Große spirituelle Persönlichkeiten sehen im Menschen immer das Geistig- Göttliche. So sprach Sai Baba in Indien die Menschen, die zu ihm kamen an mit „Embodyments of Love“ – Verkörperungen der Liebe. Persönlich gehe ich davon aus, dass Gott und Geist in jedem von uns lebt und es eine sehr individuelle Aufgabe ist, wie dieser Funken sich über Taten und Arbeiten in der Welt ausgestaltet und weiterentwickelt und letztendlich sogar den Körper verwandelt und vergeistigt. Der Körper wird einmal sterben und nicht mehr sein, ich gehe davon aus, dass aber seelisch- geistige Kräfte dennoch am Körper wirken und beispielsweise durch eine klare Bewusstseinsschulung ihn sogar feiner und freier durchgestalten, ihn in einem gewissen Maße vergeistigen.

                                                                  Wie siehst du oder wie seht ihr das? Soweit mit herzlichen Grüßen, Maria

                                                                • #8818
                                                                  Stefan
                                                                  Teilnehmer

                                                                    Liebe Maria,

                                                                    Erkenntnis und Liebe sehe ich, wie Du auch, als eines bzw. man könnte vielleicht sagen, erst über die Liebe erkennen wir wirklich.
                                                                    Dazu fällt mir eine Stelle in der Schrift ein, in der es heißt:

                                                                    „…und er erkannte seine Frau und sie gebar ihm einen Sohn…“

                                                                    Bzgl. dem Bösen – im Faust können wir lesen:

                                                                    „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft…“

                                                                    Und was ich auf den Kanaren gelernt habe: Aus der größten Asche erwächst wieder frisches, neues Leben!
                                                                    Ja, Lava ist sogar hoch fruchtbar…

                                                                    Ich glaube, es ist einfach eine Grund-Geisteshaltung, ob wir eher im Bisherigen verankert sein möchten und mehr die Bewahrer sind oder zu Neuem bereit sind und immerzu forschen, was es noch so gibt/geben könnte.
                                                                    Hängen wir jedoch nicht am Alten, sondern sind auch bereit für einen Wandel, tun wir uns im Leben leichter, das ja ständigen Wandel mit sich bringt.
                                                                    Und nun nehme ich den „bösen“ Luzifer wieder mit ins Spiel und sage, gut, für diejenigen, die ewig auf das Gestrige bauen, benötigen wir zusätzliche „Entwicklungshilfe“ 😉
                                                                    Dann geschehen Unfälle, werden wir krank bzw. der Körper zeigt Symptome, gibt es Beziehungsprobleme etc.
                                                                    Lauter so unschöne „böse“ Dinge, die wir nicht haben möchten.
                                                                    Diese Situationen sind aber einfach für uns da, um in der Erkenntnis, in der Liebe zu wachsen – wie Du ja auch erwähnst, liebe Maria.
                                                                    Darum sind sie nicht „böse“, sondern eine Hilfe für uns.
                                                                    In der Schule sagen wir ja auch nicht, der Lehrer wäre böse, nur weil er uns Aufgaben lösen lässt, um zu lernen 😉
                                                                    Betz nennt unsere Trigger-Menschen „Arsch-Engel“, haha, auch ein schönes Wort dafür.

                                                                    Ich glaube, es kommt einfach auf unsere Zielsetzung im Leben an, was für uns dann entsprechend gut und was eher nicht so gut ist.
                                                                    Und haben wir kein weltliches Ziel mehr, welches wir unbedingt erreichen möchten, dann wird uns alles recht sein, was uns das Leben über sog. „Zufälle“ zufallen lässt, um uns weiter entwickeln zu können – und dann löst sich eben dieses „gut“ und „böse“ auf.

                                                                    Dazu sollte ich noch erwähnen, dass ich an eine höhere Ordnung im Leben glaube, an gewisse „gerechte“ Gesetzmäßigkeiten (Ursache-Wirkung/Saat und Ernte), an eine „All-Liebe“, welche immer unser Bestes (= größtmögliche innere Freiheit und damit Liebesfähigkeit) möchte und daran, dass Liebe die größtmögliche Kraft/Macht ist, welche existiert.
                                                                    Und dieser Glaube ist kein angelesener „Buchstaben-Glaube“, sondern über viele Jahre in mir gewachsen – und zwar durch unzählige persönliche Erfahrungen.

                                                                    Naja, also dass unser Körper unserem Geist folgt, nehmen wir meist gar nicht wahr, da es so selbstverständlich für uns geworden ist, aber wenn wir uns mal bewusst beobachten, dann fällt es uns wieder auf.
                                                                    Dabei gibt es mehrere Ebenen, die uns ins Handeln bringen können:

                                                                    – ein Gedanke (vom Kopf oder vom Herzen)
                                                                    – ein Gefühl/Empfinden
                                                                    – ein innerer Impuls
                                                                    – ein körperliches Bedürfnis (vegetatives Nervensystem)
                                                                    – ein äußerlicher Reiz…

                                                                    Und heißt es nicht so schön, wenn jemand stirbt oder etwas nicht mehr funktioniert, er/sie/es hat seinen/ihren Geist aufgegeben…?

                                                                    Lichte Grüße
                                                                    Stefan

                                                                  • #8860
                                                                    Stefan
                                                                    Teilnehmer

                                                                      Liebe Maria,

                                                                      nochmal zur Vergeistigung des Körpers, welche du angesprochen hast.

                                                                      Für mich stellt sich das im Grunde sehr klar und einfach dar – je freier wir innerlich werden, desto mehr können wir unsere Liebe fließen lassen – und dies zeigt sich natrürlich auch über unser Tun.
                                                                      Unser Körper wird dann immer mehr zum Werkzeug der Liebe, egal was wir tun.

                                                                      Von Augustinus gibt es ja den schönen Spruch:

                                                                      „Liebe – und tue, was du willst!“

                                                                      Darin wird auch deutlich, dass Liebe eine Geisteshaltung ist, die entweder vorhanden ist oder nicht.
                                                                      Und je mehr sie vorhanden ist, desto weniger wird es wichtig für uns sein, was wir tun, denn wir lassen sie in alles miteinfließen.

                                                                      Es ist ja nicht so, dass es egal wäre, ob wir liebevoll denken/handeln oder nicht, es hat ja alles seine Auswirkung – auf uns selbst wie auch für alle (s) andere (n).
                                                                      Vielleicht können wir sogar hergehen und sagen, mit jedem Augenblick, in dem wir in einem liebevollen Geiste verweilen, tragen wir zum Weltfrieden, und in jedem, in dem wir nicht in der Liebe verweilen, zum Unfrieden in der Welt bei.
                                                                      Denn letztlich können wir uns ein Energie-Feld in und um uns herum vorstellen, welches stets mit unseren Energien gespeist wird – alles fließt ja immerzu – und die Summe von uns allen ergibt dann die (mehr oder weniger sichtbaren) Zustände in der Welt.

                                                                      Und dann sind wir wieder ein wenig bei Rudolf Steiner, liebe Maria, hatte dieser nicht von einer „Pflicht des Liebens“ gesprochen…?
                                                                      Oder habe ich das nun verkehrt in Erinnerung?

                                                                      Jedenfalls haben wir eine große Verantwortung, vielleicht mehr als wir annehmen, nicht „nur“ für uns selber, sondern für das gesamte (Spiel-) Feld – dies wird mir immer klarer, je mehr ich erkennen kann, wie alles miteinander verbunden ist.

                                                                      Mit lichten Grüßen
                                                                      Stefan

                                                                      • #8863
                                                                        Maria
                                                                        Administrator

                                                                          Lieber Stefan,
                                                                          zu den Worten Geist und Vergeistigung möchte ich mich nochmal ausdrücken. Du schreibst vom „Geist aufgeben“, ja, das sagte ich vor vielen Jahren mal zu einem Autobastler, ich sagte, ich würde mein Auto so lange fahren, bis es den Geist aufgibt. Und obwohl wir uns normalerweise nicht auf philosophischen Ebenen austauschten, reagierte er hier sehr eindeutig. „Ein Auto kann keinen Geist aufgeben.“ Er hat natürlich recht, er sah, man kann ein Auto immer wieder reparieren, es wieder funktionstüchtig machen, aber es hat eben keinen Geist.

                                                                          Wie verstehen wir denn das Wort Geist? Mir fällt in Gesprächen auf, dass es im allgemeinen oft als unsere Verstand gesehen wird. Ich würde jedoch sagen, der Verstand ist der Verstand, der Geist ist aber eine unsterbliche Kraft, das, was auch nach dem Tod bleibt und es ist in unserem Leben meinem bisherigen Verständnis nach der Geist auch der Gedanke. Der Geist hat etwas mit dem unsterblichen Kern des Menschen zu tun und zwar innerhalb und auch außerhalb seines Körpers. In dem von mir sehr geschätzten Gedicht von Schiller „Die Worte des Glaubens“ beschreibt er seine Sicht zu Gott, Gedanke und Geist:

                                                                          „Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,
                                                                          Wie auch der menschliche wanke,
                                                                          Hoch über der Zeit und dem Raume webt
                                                                          Lebendig der höchste Gedanke,
                                                                          Und ob alles in ewigem Wechsel kreist,
                                                                          Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.“

                                                                          Wer mag, kann hier das ganze Gedicht lesen oder anhören https://www.deutschelyrik.de/die-worte-des-glaubens.html

                                                                          In einem deiner letzen Beiträge hast du auch angedeutet, dass uns z.B. ein Gedanke oder ein Empfindung zum Handeln anregen kann. Das sehe ich auch so.
                                                                          Ebenso deine Ansicht, dass der Körper zu einem Werkzeug wird. Ich finde das sogar ein sehr wertvolles und in gewisser Weise auch künstlerisches Bild. So kann man sich dem annähern, wie der einzelne Mensch sich verwandelt, im tiefsten Sinne vergeistigt.

                                                                          Zu dem was Rudolf Steiner über die Bedeutung der Liebe in der Welt geschrieben hat, ich habe es gerade nicht wortwörtlich zur Hand, jedoch es war schon in dem Sinne, dass es die Liebestaten sind, die uns Menschen und die Erde am Leben erhalten. Dass unser Unterbewusstsein zwar spürt, da erhalte ich nichts dafür, und deshalb Liebestaten nicht in großen Strömen von uns getätigt werden. Ein Mensch, der aber sehr tiefe Erkenntnisse hat, wird die Taten der Liebe für sehr wichtig erachten und sie auch tun, und in diesem Sinne, wie du schreibst, sie als Sinn und Pflicht seines Lebens sehen.

                                                                          herzlicher Gruß, Maria

                                                                          • Diese Antwort wurde vor 3 Monaten von Maria geändert.
                                                                      • #8861
                                                                        Maria
                                                                        Administrator

                                                                          Lieber Stefan,
                                                                          danke für deine nochmaligen Überlegungen. Ich werde in Kürze ausführlicher antworten, nur mal jetzt schon, ja, die Liebe ist auch für mich die höchste Kraft. Nur wie ist der Weg von uns Menschen dahin? Das innerliche Freiwerden, das du ansprichst, das kann man unterschiedlich verstehen. Ein Mensch, der ein Ideal über sein persönliches Leben stellt, und der alles tut, um dieses zu verwirklichen, wird in meinen Augen innerlich immer freien von dem, was ihn sonst bindet: das mögen sein bequeme Gewohnheiten, zu starke Bindungen an Menschen und Besitz, das Leben einfach passiv laufenlassen, Wahrheitsansprüche und vieles mehr. Ich komme immer an den Punkt, dass ein Freiwerden und auch ein Liebesfähigwerden mit großer Arbeit an mir und sinnstiftenden Aufgaben hier in der Welt zu tun hat. Wie denkst du es, wie denken vielleicht andere interessierte Leser es?

                                                                          Bis bald mit herzlichem Gruß, Maria

                                                                          • #8862
                                                                            Stefan
                                                                            Teilnehmer

                                                                              Liebe Maria,

                                                                              ja, so wie du das beschreibst, also ein Freiwerden von Bindungen jeglicher Art durch ein übergeordnetes Ideal, z.B. der Christlichen Liebe, das meine ich u.a. damit.

                                                                              Insofern werden wir dann entsprechend immer mehr selbst zum „Christus“, je mehr wir diese Geisteshaltung verköpern und leben – und so kann Jesus Christus „auferstehen“ und wieder auf Erden weilen…in uns, durch uns.
                                                                              Unsere eigene Persönlichkeit tritt dabei immer mehr zurück in den Hintergrund (und damit gewisse Vorlieben oder Abneigungen).
                                                                              Dies bedeutet für mich, zu sterben vor unserem Tod, nämlich innerlich.
                                                                              Wir geben unser kleines, persönliches Ich auf zugunsten des übergeordneten, all umfassenden-göttlichen ICH, welches im Grunde unpersönlich erscheint.

                                                                              Es ist aber auch ein Freiwerden von Hemmungen, Ängsten, Blockaden etc., welches über Erkenntnisse von statten geht.
                                                                              D.h. je mehr wir die Zusammenhänge und Lebensprinzipien erkennen können, desto freier werden wir, da sich Ängste (durch Unkenntnis) auflösen können.
                                                                              Und je weniger Ängste wir in uns tragen, desto mehr können wir eben unsere Liebe frei fließen lassen – Angst oder Liebe, die bekannten zwei Antriebsfedern in uns.
                                                                              Weilen wir in der Liebe, sind keine Ängste da, dies erlebe ich immer wieder.

                                                                              Mancheiner sagt dann zu mir, mensch, du bist aber mutig…nein, es hat nichts mit Mut zu tun, es ist eine Klarheit und eine innere Gewissheit, welche mich dann entsprechend handeln lässt, ohne mir darüber Gedanken zu machen, was die evtl. Folgen davon sein könnten.
                                                                              Man könnte auch sagen, wir sind dann vollkommen im JETZT, im Augenblick, ohne gestern oder morgen.

                                                                              Wahrscheinlich ist es auch so, dass beides miteinander zusammen hängt, sprich, je mehr wir noch in Ängsten gefangen sind, desto stärkere Bindungen werden wir wohl auch haben, als Sicherheit soz.
                                                                              Es ist aber natürlich eine Schein-Sicherheit, denn diese weltlichen Stützen können jederzeit einstürzen, sind auf Sand gebaut, wie es so schön heißt.

                                                                              Mit Vorfreude auf deine weiteren Gedanken dazu
                                                                              und mit lichten Grüßen

                                                                              Stefan

                                                                          • #8865
                                                                            Maria
                                                                            Administrator

                                                                              Lieber Stefan,
                                                                              das sind sehr schöne erweiternde Gedanken. Für heute mal nur noch ein Hinweis auf einen tiefgründigen und ausführlichen Artikel über die Evangelienstelle zum Haus, das auf Fels oder auf Sand gebaut ist. https://www.aurorawiki.de/wiki/Gleichnis_vom_Haus_auf_dem_Felsen_oder_auf_Sand

                                                                              Du sprichts tiefe Gedanken an, über die Auferstehung noch in diesem Leben, was diese Auferstehung bedeutet. Und was der Christus mit uns zu tun hat. Ich werde sie in mir bewegen und mich bald wieder melden.
                                                                              Mit herzlichem Gruß, Maria

                                                                            • #8938
                                                                              Maria
                                                                              Administrator

                                                                                Lieber Stefan,
                                                                                du schreibst ja in einem deiner letzten Beiträge von der Auferstehung. Und dass wir Menschen durch die Hinwendung an ein Ideal, das wir verwirklichen wollen, auch in diesem Leben schon sterben und auferstehen. Das ist ein wirkliches Geheimnis, aber ich finde, du hast gute Worte gefunden. In ganz einfachem Sinne kann man es möglicherweise auch so sehen, jeder Mensch, der etwas tut, der seine Arbeit macht, der sich mit Mitgefühl anderen hinwendet, gibt doch immer auch ein Stück von sich her, er leistet eine Art Opfer – auch wenn das Wort heute nicht mehr modern ist – etwas von ihm stirbt und was Neues kann erstehen. So sterben wir alle in mehr oder weniger hohem Grade und haben auch die Möglichkeit, Neues und neue Erkenntnisse in unser Leben aufzunehmen. Ich meine damit nicht intellektuelles Wissen, sondern eine wachsende Reife und Weisheit. Sehr schön ist es, solchen Menschen zu begegnen, manchmal auch alten Menschen, die einiges durchmachten und dadurch zu weisen und seelisch starken Persönlichkeiten wurden.
                                                                                Da ich mich gerade auch intensiver mit der Ernährung beschäftige, ich erahne diesen Prozess des Sterbens und Auferstehens auch in der Tätigkeit des Essens. Wenn ich eine Wertschätzung zu den Nahrungsmitteln entwickle und zu allen Menschen, die beigetragen haben, dass ich dies nun auf dem Teller habe, wenn ich mich an die Kräfte der Sonne, der Planeten erinnere, die auch an diesen Pflanzen wirkten, dann kann das Essen eine hohe und dankbare Tätigkeit werden. Es kann ein seelisches Erlebnis sein, in dem Berührungsmomente, Ab- und Aufbauprozesse sowohl an dem Nahrungsmittel als auch in mir stattfinden. In dem Nachdenken und Austauschen über solche Worte wie Auferstehung, sehe ich eine sehr schöne und wertvolle Möglichkeit, einem Lebensgeheimnis, das uns als Menschen alle betrifft, näherzukommen. Du erwähnst auch Ängste und Bindungen, ja, ich denke diese wirken hinderlich für diesen Prozess und sind womöglich Auslöser für Stagnation und Krankheit. Letztere können uns aber auch wieder anregen, nach neuen Möglichkeiten zu suchen und mehr in die Tiefe zu gehen.

                                                                                Mit herzlichem Gruß, Maria

                                                                              • #9072
                                                                                Stefan
                                                                                Teilnehmer

                                                                                  Liebe Maria,

                                                                                  du beschreibst das sehr treffend bzgl. unseres Hingebens über unser Tun – ja, so empfinde ich das auch, ein jeder gibt ein Teil von seiner Schöpfer- und Liebeskraft hinein in seine Gedanken, Worte und Taten.
                                                                                  In diesem Sinne können wir der Welt unser Licht spenden, sie schöner, liebevoller und damit sinniger gestalten.

                                                                                  Hinsichtlich der Dankbarkeit beim Essen habe ich mir angewöhnt, erstmal kurz inne zu halten bevor ich anfange zu essen und im Gedanken mich bei allen Beteiligten dafür zu bedanken.
                                                                                  Dies schafft nicht nur eine größere Bewusstheit beim Essen generell, sondern auch ein Mehr an Genuss und Wohlgefühl beim und nach dem Essen.
                                                                                  Mir kommt es fast so vor, als ob dadurch die Nahrung erst wirklich vollständig aufgeschlossen und verwertet werden kann.

                                                                                  Diesen bewussteren Umgang generell mit allen Dingen, welche viele andere Hände vor mir erst ermöglicht haben, gewöhne ich mir immer mehr an.
                                                                                  Es schafft eine Art energetischer Verbindung zwischen den Herstellern und mir als Nutzer und holt mir immer wieder ins Bewusstsein, dass wir nur deswegen so viele schöne und nützliche Dinge zur Verfügung haben, da ein jeder seinen Teil dazu beiträgt.
                                                                                  Dies schafft in mir nicht nur mehr Dankbarkeit gegenüber meinen Mitmenschen, sondern gleichzeitig auch eine größere Wertschätzung meiner eigenen Leistung – und auch die Geisteshaltung, dass nichts selbstverständlich ist, sondern dass alles erst möglich wird, da viele Menschen ihren Dienst dafür leisten.

                                                                                  Lichte Grüße

                                                                                  Stefan

                                                                                • #9192
                                                                                  Maria
                                                                                  Administrator

                                                                                    Lieber Stefan, liebe Leser,

                                                                                    die Beobachtung, dass eine Speise wirklich erst vollständig verwertet und aufgeschlossen werden kann, wenn ich einen Moment der Besinnung und ein Empfinden von Beziehung und Dankbarkeit allen gegenüber, die an dieser Nahrung gewirkt haben, einschließlich der Kräfte in der Natur und der Kräfte des Kosmos auspräge, das ist für mich tatsächlich auch zu einer ersten Erkenntnis herangereift. Es ist das Essen eine sehr schöne Tätigkeit. Und das besondere ist, mit so einer Haltung bin ich gar nicht Konsument im üblichen Sinne des Wortes, sondern nochmal ein Neuerschaffender. Und das liegt daran, dass ich in Beziehung trete und nicht achtlos und hastig hinunterschlinge. Es wäre sehr wertvoll, sich dieser Beziehung wieder bewusst zu werden.
                                                                                    In übrigen würde ich es auch für sinnvoll und zukunftsorientiert halten, wenn an allen Schulen, nicht nur an Mittelschulen oder Berufsschulen, sondern auch an Realschulen und Gymnasien in Deutschland Kochen als Schulfach eingeführt würde. In Japan ist das, soviel ich weiß, eine Selbstverständlichkeit.

                                                                                    Weil wir hier ja auch beim Forumsthema der Evangelien und des Christus sind, es finden sich in diesem Kontext viele Aussagen über die Nahrung. Z.B. dass wir Menschen wie ein Sauerteig wirken können, auch die wunderbare Brotvermehrung in der Bergpredigt kommt mir immer wieder in den Sinn. Ich habe nicht nur den Eindruck, dass materiell hier mehr Nahrungsmittel geschaffen wurden, sondern dass möglicherweise die Substanz der Speisen ungewöhnlich kräftigend war. Ich werde mir das Geschehen von der wunderbaren Brotvermehrung nochmal zu Gemüte führen.

                                                                                    herzlichen Gruß, Maria

                                                                                  • #9212
                                                                                    Stefan
                                                                                    Teilnehmer

                                                                                      Liebe Maria,

                                                                                      du bringst da für mich einen ganz neuen Aspekt hinein, wenn du schreibst, dass wir da nicht nur Konsumenten, sondern Neuschaffende sind, wenn wir dankbar in Beziehung treten.
                                                                                      So habe ich diese Worte von dir einmal in mir wirken lassen und weiter gesponnen und vermute, dass dies wohl für Beziehungen jeglicher Art gelten könnte.
                                                                                      Also dass sich da energetisch für beide Seiten etwas verändert, wenn wir einem Menschen dankbar und offen gegenüber treten.
                                                                                      Auch hierbei wird eine derartige Begegnung besonders stärkend, wohltuend und aufbauend wirken, nehme ich an.

                                                                                      Liebe Grüße
                                                                                      Stefan

                                                                                    • #9213
                                                                                      Maria
                                                                                      Administrator

                                                                                        Lieber Stefan,

                                                                                        ja, da sehe ich auch einen Zusammenhang. Ich gehe davon aus, die Dankbarkeit entsteht, wenn ich mir überhaupt erstmal bewusst mache, wie viele Kräfte an einer Pflanze gewirkt haben, einschließlich den Händen, der Pflege und den Gedanken der Menschen bis das Gericht auf dem Tisch steht. Und dieses Bewusstwerden, diese Beziehungsaufnahme und das Empfinden von Dankbarkeit bereichert dann auch den Vorgang des Essens.

                                                                                        Jetzt ist spannend, wie du das machst, sich die Frage zu stellen, wie es in der Begegnung mit anderen Menschen ist. Ganz plastisch ausgedrückt, ich bereite sie ja nicht zu :), sondern da tritt mir eine Persönlichkeit, eine eigene Individualität entgegen. Da begegnet sich alles, was in mir und dem anderen schon vohanden ist oder noch werden will. Und dass da eine offene, raumschaffende Sphäre in der Begegnung sehr gute Möglichkeiten des Aufbaus, sogar eines gesundheitlichen Aufbaus eröffnet, davon gehe ich auch aus. Ich würde es so sagen, wir Menschen können uns in der Weise begegnen, dass wir uns anerkennen und einen Aufbau des anderen erstreben. Das ist es auch, was einen guten Arzt, einen guten Lehrer, aber im Grunde jede menschliche Begegnung ausmachen würde, dass wir uns durch eine grundsätzlich wertschätzende Haltung fördern. Ich habe es erlebt und auch viele andere haben mir schon gesagt, wie sehr eine bestimmte Person durch so eine Haltung sie im Leben weitergebracht und gefördert hat. Und da empfinde ich Dankbarkeit. Ich kann eine Pflanze erforschen, ich kann auch mit Interesse einen Menschen erforschen, ihn kennenlernen wollen. Und letzen Endes schafft das für alle einen Aufbau. So denke ich das. Ich glaube, dieses Thema ist unendlich erweiterbar, danke für deine Anregung, Stefan.

                                                                                        herzlicher Gruß, Maria

                                                                                      • #9334
                                                                                        Stefan
                                                                                        Teilnehmer

                                                                                          Liebe Maria,

                                                                                          ja, du hast das sehr schön ausgedrückt – dies ist unendlich erweiterbar.
                                                                                          Das heißt aber auch für mich, wenn es ausweitbar ist, d.h. wenn ich mir diese dankbare und bewusste Geisteshaltung grundsätzlich angewöhne/aneigne, dann wäre dies ein großer Segen für alle und hängt auch wieder mit unserem Thema „Frieden“ zusammen.
                                                                                          Dankbarkeit und Frieden sind enge Verwandte bzw. folgt das eine aus dem Anderen.
                                                                                          Auch kann daraus natürlicherweise Liebevolles entwachsen – es hängt ja alles mit allem zusammen, so auch mit unseren innerlichen Prozessen und unserer Geisteshaltung.
                                                                                          Es ist ein sich ständig gegenseitig beeinflussendes Ganzes, welches ungeheuer komplex ist und nicht seperat betrachtet werden kann.

                                                                                          In der Schrift sind es die ersten zwei Gebote, welche dies auszudrücken versuchen, so meine ich.
                                                                                          Und je mehr wir uns mit den Zusamnmenhängen des Lebens beschäftigen, sie mit offenem Herzen erforschen und entdecken, desto mehr erwacht in uns eine große Ehrfurcht und ein Staunen über dieses unfassbare Wunder.
                                                                                          Darum auch irgendwann meine Annahme, dass wir im Grunde deswegen leben, um die Schönheit des LEBENS/Gottes „schmecken zu können“, wie es irgendwo in der Bibel so schön heißt.
                                                                                          Um an der unermesslichen Freude des Schöpfers und dessen Schöpfung teilhaben zu können.
                                                                                          Dann nähern wir uns mehr und mehr dem Land, in dem Milch und Honig fließen (Entsprechung von Weisheit und Liebe) und es uns also an nichts mangelt.
                                                                                          Diese Worte der Schrift beschreiben ja meist geistig-seelische Zustände in uns und sind nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, so wie ich sie begreife.

                                                                                          Schmerz und Leid sind in dem Sinne keine Spielverderber in dieser Harmonie des Lebens, sondern sie weisen uns sachte darauf hin, wo wir eben diese dabkbare Geisteshaltung in uns noch nicht entwickelt haben.
                                                                                          Wo wir noch etwas nicht wollen, ablehnen oder entwerten.
                                                                                          Da es ja im Umfassenden dieses Systems Leben nichts Falsches oder Minderwertiges gibt, sondern alles seinen Sinn und Zweck hat, werden wir die Folgen zu spüren bekommen, wenn wir dies hier oder dort noch nicht erkannt haben.
                                                                                          Wenn wir diese Zusammenhänge einmal für uns entdeckt haben, dann können wir viel konstruktiver mit den scheinbar unangenehmeren Dingen und Situationen in unserem Leben umgehen.
                                                                                          Und dann werden wir auch erkennen, für was sie gut sind.
                                                                                          So können wir sagen, dass uns Freude und Schmerz in einer gewissen Art in unserem Dasein lenken und beides eben seine Berechtigung/seinen Sinn hat.
                                                                                          Und da sind wir wieder bei dem schönen Buch „Alles fühlt“ von A.Weber…:-)

                                                                                          Herzliche Grüße
                                                                                          Stefan

                                                                                        • #9513
                                                                                          Maria
                                                                                          Administrator

                                                                                            Lieber Stefan, liebe Leser,

                                                                                            du sprichst an, dass eine dankbare und bewusste Geisteshaltung auch mit dem Friedensthema zusammenhängt. Ja, und mit dem Thema der Liebe und sicher noch mit einigen mehr. Es haben sich ja schon einige Themen hier im Forum ergeben und ich halte es für wertvoll, dass wir uns im Austausch zu einem spezifischen Inhalt bewegen. Mein Eindruck ist, dass wenn ich bei einem Thema in die Tiefe gehe, auch Verbindungen zu anderen Themen sichtbar werden. Und dass es eben genau die Asueinandersetzung, das Nachdenken, das Erweitern durch andere Meinungen braucht, um tiefer einzudringen. So können wir verschiedene Themen bearbeiten und mehr und mehr zu einer Empfindung oder so etwas wie einem seelischen Gesetz durchdringen. Und das kann, wie hier, die Beschäftigung mit dem Christus sein, mit den Evangelien, mit einer Religion, oder eben auch mit dem Frieden und der Liebesfähigkeit oder unserer Beziehung zum Essen und den Nahrungsmitteln.
                                                                                            Im Yoga spricht man davon, dass es ein Zeichen des entwickelten Herzchakras ist, wenn ein Fachgebiet so durchdrungen ist, dass ich es leicht verständlich für andere darlegen kann, selbst wenn sie mit der Materie nicht vertraut sind. Und dass letztendlich diese errungenen Erkenntnisse auch still über den Menschen ausstrahlen und friedensfördernd wirken.

                                                                                            Eine Frage noch, du meinst mit den ersten zwei Geboten die Gottesliebe und die Nächstenliebe? Das habe ich nicht ganz auf dem Schirm.
                                                                                            Zu Schmerz und Leid habe ich eine ähnliche Ansicht wie du. Sie können einem Wachstum dienen. Dostojewski hat das in seinen großen Werken immer wieder herausgearbeitet. Interessant ist, dass er, ich hatte es an anderer Stelle schon mal erwähnt, während seiner Gefangenschaft und seiner Zeit des Arbeitslagers in Sibirien 1849 – 1854 nur ein Neues Testament zum Lesen hatte, das er geschenkt bekommen hatte.

                                                                                            Mit herzlichem Gruß, Maria

                                                                                          • #9525
                                                                                            Stefan
                                                                                            Teilnehmer

                                                                                              Liebe Maria,

                                                                                              ja, die ersten zwei Gebote, die im Grunde alles enthalten, sind die Gottes- und die Nächstenliebe.
                                                                                              Und genau da führt uns wieder die Dankbarkeit hin, für all die Wunder des Geistes und der Schöpfung, für all die Dienste und Gaben unserer Mitmenschen.

                                                                                              Was ich mich neulich gefragt habe, ist, was eigentlich mit „unserem Nächsten“ gemeint sein mag?
                                                                                              Es heißt ja nicht „Liebe alle Menschen wie dich selbst“, nein, es heißt „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
                                                                                              Wer also ist unser Nächster?
                                                                                              Ist es räumlich gemeint, also der, der uns gegenüber steht?
                                                                                              Oder ist es seelisch-geistig gemeint, d.h. derjenige, der uns diesbezüglich von der Reife am nächsten steht?

                                                                                              Da vieles in der Schrift nicht wörtlich, sondern geistig zu verstehen ist, meine ich, dass Letzteres damit gemeint sein mag.
                                                                                              Dazu würden mich jedoch eure Ansichten sehr interessieren!
                                                                                              Und Maria, du weißt womöglich die Auslegung von Steiner/in der Antroposophie diesbezüglich?

                                                                                              Lichte Grüße
                                                                                              Stefan

                                                                                            • #9613
                                                                                              Maria
                                                                                              Administrator

                                                                                                Lieber Stefan, liebe Leser,

                                                                                                zu dem Wort „Nächster“ im Neuen Testament, damit verbunden „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Für mich war es, ohne dass ich jetzt länger nachdenke, der Mitmensch. Liebe deinen und deine Mitmenschen. Es ist jetzt nur subjektiv, wenn ich glaube, dass damit nicht der mir seelisch-geistig näherstehende Mensch gemeint ist. Es gibt doch die schönen Geschichten von Feuerwehrleuten, die Menschen aus einem brennenden Haus retten und manch einer hat dabei schon sein Leben verloren. Das ist menschlich erschütternd und gleichzeitig erfüllt es nit höchstem Respekt. Das eigene Leben verlieren um das eines Mitmenschen zu retten. In dem Fall ist der Nächste der, der in Not ist. In dem Augenblick ist er der Nächste. Und der Feurwehrmann ist diesem auch der Nächste. Ich finde es eine gute Frage von dir. Interessant finde ich, dass Christus die damalige Gesellschaftsordnung auf den Kopf gestellt hat und die Pharisäer es ihm ankreideten, dass er mit „Sündern“, Ausgestoßenen der Gesellschaft, Prostituierten und Zöllnern verkehrte. Er machte da keinen Unterschied. Und wenn er zornige Worte findet, dann für die Pharisäer, die sich für die Guten halten und andere verdammen. Diese haben ihn auch nicht erkannt, einige der sogenannten Sünder dagegen schon und waren für ihr ganzes leben berührt und verwandelt.
                                                                                                Ich denke also, jeder meiner Mitmenschen ist mir der Nächste. Und dass ich auch über Ländergrenzen berührt sein kann, und Empathie entwickle, beispielsweise wenn Menschen hungern müssen.
                                                                                                Dazu fällt mir noch etwas anderes ein: Martin Buber und sein dialogisches Prinzip. Eine Grundaussage von ihm ist, dass wir Menschen am Du zum Ich werden. Also in dem Sinne, dass ich allein mich gar nicht finden kann, wenn ich nur bei mir suche. Dass ich mich aber finde, wenn ich anderen Menschen wirklich begegne. Ob darin auch etwas mitschwingt, wenn von dem Nächsten im Neuen Testament die Rede ist?
                                                                                                Herzlicher Gruß, Maria

                                                                                              • #9635
                                                                                                Stefan
                                                                                                Teilnehmer

                                                                                                  Liebe Maria, liebe Leser,

                                                                                                  es steht für mich ausser Frage, dass ich jeden Teil der Schöpfung achte und ihm entsprechend liebevoll begegne, soweit es mir möglich erscheint, jedoch finde ich, ist es ein Unterschied zu sagen, „…wie dich selbst.“

                                                                                                  Der Feuerwehrmann hat sich bewusst dafür entschieden, sein Leben ggfs. für andere einzusetzen, muss er aber nicht, es „verlangt“ keiner von ihm – genauso verlangt es keiner von uns, sich selber in Gefahr zu bringen.

                                                                                                  Hat Jesus die Pharisäer geliebt wie sich selbst?
                                                                                                  Waren es nicht auch seine Nächsten?
                                                                                                  Oder die Händler, die er wütend aus dem Tempel verjagte?
                                                                                                  Ich glaube, dieses Wort „Nächster“ ist nicht zufällig gewählt und kann auch nicht beliebig ausgetauscht werden.

                                                                                                  Ein einfaches kleines Beispiel:

                                                                                                  Wenn ich einkaufen gehe, würde das bedeuten, dass ich für jeden x-beliebigen Mitmenschen für eine ähnlich Summe ebenso einkaufen gehen würde – ist das realistisch?

                                                                                                  Es scheitert glaube ich daran, dass unsere Resourcen und Möglichkeiten (Zeit, Geld) nicht unbegrenzt sind.
                                                                                                  Gott hat in dem Sinne unbegrenzte Möglichkeiten, er kann alle grundsätzlich gleich lieben.
                                                                                                  Und ich glaube, darum heißt es auch ganz bewusst nicht „Liebe alle Mitmenschen wie dich selbst!“, denn es wäre unmöglich für uns.

                                                                                                  Oder ein anderes Beispiel:

                                                                                                  Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, steht immer mal wieder ein Tramper am Straßenrand, auch wenn es tendenziell immer seltener wird – und als ich noch kein eigenes Auto hatte (bis zu meinem 30. Lebensjahr), war ich beizeiten froh, wenn mich auch jemand mitnahm.
                                                                                                  Die Entscheidung, ob ich stehen bleibe oder nicht, muss ich ja oft in Sekundenbruchteilen treffen.
                                                                                                  Und manchmal bleibe ich ohne zu überlegen sofort stehen und manchmal nicht.
                                                                                                  Es spielen da ja viele Faktoren mit rein:

                                                                                                  – habe ich überhaupt Zeit dafür?
                                                                                                  – habe ich Platz im Auto? (manchmal ist die Beifahrerseite z.B. durch Surfmaterial belegt)
                                                                                                  – macht er/sie mir einen vertrauensvollen Eindruck?
                                                                                                  – wäre ich auch bereit, evtl. einen kleinen Umweg zu fahren?

                                                                                                  Mit der Anforderung an uns selber, jeden immer helfen bzw. dienlich sein zu können, überfordern wir uns, meine ich.

                                                                                                  Was hier auch gut dazu passt, ist eine Überlegung, welche mir neulich ein guter Freund mitgegeben hatte.
                                                                                                  Es ging um kleine Autounfälle, wo er meinte, wenn die Sachlage klar wäre, könnten doch beide Parteien ihr Auto rechts ran fahren, damit sie nicht den Straßenverkehr unnötig behindern, was aber oft (wohl aus Angst der dann nicht mehr Nachvollziehbarkeit der Beweislage) nicht gemacht wird.
                                                                                                  Er führte den Gedanken weiter aus, was so ein kleiner Unfall bzw. der daraus entstehende Stau alles für Folgen mit sich bringen kann:

                                                                                                  – wieviele wichtige Termine platzen dadurch (Arbeit, Flug/Bahn/Fähre, Notar, Hochzeit…)?
                                                                                                  – wieviele Menschen kommen zu spät? (z.B. zur Arbeit -> wirtschaftlicher Schaden)
                                                                                                  – wieviele Menschen sind danach genervt/gereizt und reagieren anders in Folgesituationen

                                                                                                  Die Folgeschäden sind immens und im Grunde unabsehbar, denn sie vervielfältigen sich ins Endlose.
                                                                                                  Und hier sind wir ebenfalls bei dem Punkt Begrenztheit unserer Resourcen…wir haben eben nicht endlos Zeit und Mittel.
                                                                                                  Sicher können wir auch gerne mal bewusst zugunsten eines anderen auf etwas verzichten, dann ist es aber eine spezielle Situation und nicht die Regel.

                                                                                                  Im Endeffekt ist es natürlich jedem selbst überlassen, wie er das handhaben möchte und oft handeln wir – ohne darüber nachdenken zu müssen – intuitiv, so wie du es auch beschreibst, liebe Maria.
                                                                                                  Unser Inneres sagt uns ja eigentlich immer, was zu tun ist, insofern verlasse ich mich auch hierbei darauf.
                                                                                                  Trotzdem lohnt es sich, meiner Ansicht nach, sich einmal konkret „hineinzudenken“, diese Worte Jesu in unserem Herzen wirken zu lassen, was damit eigentlich wirklich gemeint sein könnte…

                                                                                                  Mit lichten Grüßen
                                                                                                  Stefan

                                                                                                • #9640
                                                                                                  Maria
                                                                                                  Administrator

                                                                                                    Lieber Stefan, liebe Leser,
                                                                                                    nur mal kurz zu den Pharisäern und den Händlern im Tempel. Ich würde es so sehen, dass da, wo Handlungen oder Denkweisen auftauchen, die sehr egoistisch und materialistisch sind, wo es um eigenen Profit und um eigene Vormachtstellung geht (die Pharisäer hielten sich ja für die Besseren), da auch kein Liebesgebot besteht, der Zorn des Christus richtet sich nicht gegen das Selbst der anderen, aber gegen ihre Einstellung und ihren Hochmut. Außerdem geht es gegen das Ehrgefühl, wenn der Tempel entweiht wird. So meine Ansicht. Ich glaube nicht, dass das Gebot der Nächstenliebe bedeutet, das zu lieben, was andere schädigt. Und man kann es auch so sehen, da er die Händler aus dem Tempel verjagt und den Pharisäern ihre Falschheit offenbart, erweist er seelisch diesen Leuten einen Liebesdienst. Es ist immer ein Unterschied, was die Seele will und was das Gemüt will. Die Frage nach dem Nächsten kann ich aber noch immer nicht ganz beantworten.

                                                                                                    herzlicher Gruß, Maria

                                                                                                  • #9641
                                                                                                    Stefan
                                                                                                    Teilnehmer

                                                                                                      Liebe Maria,

                                                                                                      bzgl. kein Liebesgebot – sagt Jesus nicht: „Liebet eure Feinde!“?
                                                                                                      Er sagt aber nicht: „Liebe deine Feinde wie dich selbst!“
                                                                                                      Genau das meinte ich oben in meinem Beitrag – das Liebesgebot gilt für meine Begriffe grundsätzlich immer, aber eben teilweise eingeschränkt, wenn man so möchte.

                                                                                                      Wenn jemand neben dir raucht und du wirst gezwungen, seinen Rauch einzuatmen, ist das auch nicht gesund, ich kann aber auch hinwegsehen und mir denken, ok, das wird mir jetzt nicht wirklich schaden (kommt hier auch wieder auf die Häufigkeit an).
                                                                                                      Wenn ich jedoch innerlich mit dem Raucher kämpfe, ihn deswegen verurteile oder wütend auf ihn werde, schadet mir das sicherlich mehr, wie wenn ich mal ein wenig Rauch einatme.
                                                                                                      Das Liebesgebot bedeutet in so einem Falle für mich, dass ich den Menschen mal grundsätzlich nicht dafür verurteile oder abwerte, nur weil er raucht.
                                                                                                      Dass ich es ihm selbst überlasse, was er mit seiner Gesundheit bzw. mit seinem Körper macht oder nicht.
                                                                                                      Denn wo fangen wir da an und wo hören wir auf?
                                                                                                      Der Nächste sagt dann zu dir, du solltest aber keinen Zucker verzehren oder Kaffee trinken oder nichts Gekochtes essen oder was auch immer – da kommen wir ins Endlose und sind nur am Moralpredigen, was uns nichts angeht – es ist jedem selber überlassen.
                                                                                                      Wenn wir gefragt werden, wie wir das handhaben, können wir ja was dazu sagen…und meist haben wir ja auch die freie Wahl, mit wem wir unsere Zeit verbringen.

                                                                                                      Das mit dem seelischen Liebesdienst, was du anführst, finde ich heikel, denn damit könnten wir vieles rechtfertigen (und wer sagt uns, dass unsere Ansicht eigentlich die rechte ist?) und sind eben schnell im Missionieren und Besserwissen drinnen – da kann oft viel Unfriede entstehen.
                                                                                                      Menschen, die mir dauernd sagen, was „gut“ ist und was nicht, sind sehr anstrengend – von ihnen halte ich mich fern – und ist „gut“ nicht immer relativ?

                                                                                                      Die Lehre Jesu verstehe ich in der Weise, dass das Ziel jeglichen Denkens und Tuns immer der Friede sein sollte:

                                                                                                      „Soweit es an euch liegt, haltet mit jederman Frieden!“

                                                                                                      Der Friede fängt aber i n uns an, z.B. im Nicht-Verurteilen, im So-Sein-Lassen-Können, in der Akzeptanz des Anderen, in dem Geiste, dass wir nicht unbedingt die Wahrheit gepachtet haben.
                                                                                                      Es ist auch eine Geisteshaltung, die Lernen und Erkennen ermöglicht, denn somit habe ich schon oft neue Gedankengänge entwickeln dürfen und bin zu ganz neuen Erkenntnissen gekommen.

                                                                                                      Herzliche Grüße
                                                                                                      Stefan

                                                                                                    • #9839
                                                                                                      Maria
                                                                                                      Administrator

                                                                                                        Lieber Stefan,
                                                                                                        wenn ich hier von einem seelischen Liebesdienst schreibe, dann beziehe ich das auf die Handlungsweise des Christus. Er erkennt, dass hier ein Missbrauch und eine Entweihung des Tempels geschieht, er hat einen Zorn umd darin kann meines Erachtens schon ein Lernschritt für die Leute, die den Tempel entweihen, entstehen. Nicht gemeint habe ich mit dem Beispiel, dass wir alle, die wir wohl die meisten noch nicht ein Bewusstsein wie das des Christus entwickelt haben, immer wenn es uns beliebt, andere zurechtweisen und das damit rechtfertigen, das würde der Seele des Nächsten hilfreich sein. Das fände ich auch kritisch. Manchmal habe ich den Eindruck, es wird zu schnell ein göttliches Bewusstsein- und ich gehe davon aus, dass dies in Christus lebt – mit einem menschlichen gleichgesetzt. Mit anderen Worten, ich kann mich nicht mit dem Christus vergleichen, aber erforschen, meditativ erfassen, was die Nachfolge Christi ist, im Bewusstsein wachsen und mehr und mehr ein gebender Mensch werden, das kann ich schon. Ich sehe Vieles als nicht gegeben, sondern als in der Entwicklung begriffen und sehr aktiv vorwärtsschreitend, auch in denkender Weise.
                                                                                                        Das mit der Feindesliebe ist nochmal ein anderes Thema. Ziemlich sicher bin ich mir, dass damit nicht gemeint ist, den Feind zu umarmen. Ghandi hat das sehr schön vorgelebt, er hat die Engländer nicht gehasst, aber eine sehr große Fantasie entwickelt, wie er sein Land von der Vorherrschaft der Briten befreit. Es gibt einen sehr guten Ghandi Film, da kommt eine Szene vor wie folgt: Ghandi trifft ein letztes Mal den englischen Gouverneur, bevor dieser das Land verlässt. Er sagt zu ihm „Ich habe Ihnen viele Probleme bereitet, aber wir müssen deshalb keine Feinde sein“. Das ist eine großartige Szene.

                                                                                                        Mit herzlichem Gruß, Maria

                                                                                                    Ansicht von 39 Antwort-Threads
                                                                                                    • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.