Auf Anregung eines Forumlesers veröffentliche ich folgendes Interview zum Thema „Auf der Suche nach der Glückseligkeit“, das am 31.12.2025 im Kontrafunk ausgestrahlt wurde. Susanne Gerlach stellt darin Dr. Bernd Helge Fritsch einige interessante Fragen, die sinnsuchende Menschen bewegen.
Das Gespräch verläuft auf angenehme Weise, ich habe den Eindruck, diese beiden Personen sind in Dialog und einem zuhörenden, wertschätzenden Austausch geschult. Die Fragen von Frau Gerlach empfinde ich klug und dynamisch gestellt, in stetem Eingehen auf die Aussagen des Interviewten und mit einem feinen Gespür, was nun die Hörer besonders interessieren könnte.
Mein Anliegen ist es, für alle Leser und Hörer, die sich noch die Mühe machen, ein fast einstündiges Interview aufmerksam anzuhören, das Thema des Denkens oder Nicht-Denkens eigenständig zu hinterfragen und zu erforschen.
Herr Fritsch bewegt das Thema, dass die Suche nach Glück im Äußeren, Materiellen den Menschen nicht zufrieden machen kann. Sein Lösungsansatz, der vom Zen-Buddhismus geprägt ist, liegt darin, ganz besonders ein Nichtdenken zu schulen. Denken würde die Welt spalten, trennen, zum Verlust einer Einheit führen.
Mir wird beim aufmerksamen Hören des Interviews klar, dass eine gewisse Verwirrung um den Begriff des Denkens in unserer Gesellschaft existent ist. Gegen Ende des Gesprächs gebraucht Herr Fritsch auch den Ausdruck des intellektuellen Denkens. Von diesem, gerade weil es uns Menschen nicht auch im Gefühls- oder Empfindungsleben anregt und bereichert, ist bekannt, dass es anstrengend und erschöpfend wirken kann. Da gibt es aber noch etwas anderes, das erstaunlicherweise Herr Fritsch auf seiner Homepage andeutet, welches er aber hier im Gespräch gar nicht erwähnt. Er nennt es „eine Dimension, aus der alle kreativen Gedanken hervorgehen“ und mit welcher sich der einzelne bewusst in Verbindung setzen kann.
Verwunderlich ist daher, dass Herr Fritsch in diesem Interview Aussagen tätigt wie
- „Die Rettung ist das Nicht-Denken. Das sagen alle großen Weisheitslehrer.“ (19:33-19:39)
- „Ein Ziel, das können wir im Leben nie absolut erreichen, und das ist die Verbindung mit der geistigen Welt.“ (21:20-22:00)
- Weiterhin spricht er von dieser Welt als von einer Maya-Welt, die zu überwinden sei.
Persönlich gehe ich mit diesen Aussagen nicht konform, da ich Geistschulungs- und Philosophie-Wege kenne, die gerade das Denken in die Mitte stellen und sein schöpferisches Potential, das Schaffen durch die Arbeit mit Gedanken bis hinein in die Realisation des Gedachten als eigentliche geistige Grundkraft des Menschen sehen. Wir brauchen nur an Sokrates, an Rudolf Steiner, an Kant, an Sri Aurobindo, an Goethe, an Fichte denken. Ebenfalls ist bei dem heute in Italien lebenden und lehrenden Geistforscher Heinz Grill die Denkschulung in der Mitte aller seelisch- geistigen Entwicklung.
Verwirklichte Menschen wie die oben genannten, sind nicht getrennt von der geistigen Welt. Sie schauen sie und bringen Gedanken auf die Erde, die wiederum zu Entwicklung, Gesundheit, Frieden, Kunst und anderen Lebensgebieten einen wertvollsten Beitrag, ja eine Verwandlung in diesen Bereichen der Menschheit und der Erde schenken.
Und der nächste Gedanke bezüglich der Maya-Welt ist möglicherweise recht anspruchsvoll. Ich möchte ihn dennoch aussprechen, da er für Menschen, die sich tiefer mit dem Leben des Christus, mit den Evangelien oder mit inspirierten Schriften, die das Christusereignis darlegen, beschäftigen wollen, eine herausragende Bedeutung hat.
Mit dem Leben und Sterben des Christus ist die Erde, auf der wir leben, keine Maya mehr, sondern von Liebe bis in die innersten Fasern durchstrahlt. Die Hinwendung zur Erde, ihren Aufgaben, zu jedem Beruf und Forschungsbereich kann deshalb im tiefsten Sinne eine Liebestätigkeit sein, die uns Menschen auch mit Sinn und Glück erfüllt. Jedoch ist Maya in meinen Augen heutzutage das, was Herr Fritsch beispielsweise anspricht mit der Suche nach Glück im materiellen Wohlstand, nach Konsum, weil diese Komponenten für die menschliche Seele und den Geist nicht von Belang sind.
Eine Möglichkeit, mit diesem Interview interessiert und forschend umzugehen, sehe ich darin, dass ich mir zu bestimmten erwähnten Aussagen Fragen stelle, beispielsweise
- Was versteht Herr Fritsch unter Denken? Was ist für ihn ein Gedanke?
- Wie konkret stellt er sich die Gesellschaft vor, wenn er den Menschen empfiehlt, sich vor allem im Nicht-Denken zu üben?
- Welchen Wert, welche Entwicklung, welche Gabe trage ich damit in die Gesellschaft hinein?
- Warum leben wir auf dieser irdischen Welt und werden einmal wieder sterben? Hat das Leben im Irdischen mit seiner Polarität im Hinblick auf eine geistige und jenseitige Welt nicht auch einen Sinn?
- Welche Rolle spielen Ziele im Leben, die Frau Gerlach anspricht?
- Schließlich – bin ich als Hörer mit den bewegten Inhalten zufrieden? Ist es ein für mich gangbarer Weg?
Das sind nur einige Anregungen für Leute, die sich für solche Fragen interessieren. Die Palette der Fragen kann natürlich individuell erweitert werden – und ich finde, wir bewegen uns hier auf einem sehr anregenden Gebiet des Denkens und Lernens.


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