Lieber Stefan,
ja, das sind einige gute Überlegungen. Zum Bösen möchte ich hinzufügen, ich kann mir das gut vorstellen, wie du schreibst, dass auch die erschaffenen Geistwesen einen freien Willen haben und es so zum Sturz des Luzifer kam. Du schreibst, die Liebe würde alle Trennung und auch das Böse auflösen, ich würde ergänzen, die Erkenntnis und die mit ihr verbundene Liebe. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es notwendig ist, sich mit dem sogenannten Bösen zu beschäftigen, es auch verstehen zu wollen, es in seinem innersten Motiv zu erkennen, und dass dann daraus eine neue Freiheit und ein anderer Umgang damit entsteht. Es kann dieses Studium sogar uns zu mehr Freiheit und Liebe beflügeln, und wenn ich mal ganz etwas Gewagtes sage, ich glaube, das Böse hat sogar diesen einzigen Zweck. Wenn ich es nicht auch erkennend begreifen will, besteht in meinen Augen die Gefahr, es nicht wirklich ernst zu nehmen und doch von ihm eingehüllt zu werden. Wir sehen das ja an den vielen Manipulationen und Narrativen, die uns in den Medien und im aktuellen Journalismus in ständiger Wiederholung vorgespielt werden (z.B. Russland ist böse, wir müssen kriegstüchtig werden, Europa ist gut etc.),ich denke, es braucht schon ein sehr waches aktives Bewusstsein, das sich eine eigene Anschauung bildet. Und aus dieser heraus das Ideal, wie ich leben will. Also, das mal zum Bösen.
Interessant was du schreibst zu der Frage „Was ist der Mensch?“
Es hängt ja sicher davon ab, welches Welt- und Menschenbild der Einzelne hat. Wenn ich glaube, dass ich aus einer geistigen Welt komme, auf der Erde in einem Körper lebe und dann zu einem bestimmten Zeitpunkt der Körper stirbt und wieder zu Staub wird, dass aber Seele und Geist weiterleben, dann habe ich ein anderes Bild als ein Mensch, der der Ansicht ist, dass mit dem Tod alles aus ist. Auch die Beobachtung, wie manche Menschen im Alter sogar schöner werden und man den Eindruck hat, es zeigt sich mehr das Seelische, obwohl der Körper an Kraft und Leistungsfähigkeit verliert, ist für mich ein Hinweis, dass da seelische und geistige Kräfte in uns wirken. Man kann in diesem Zusammenhang sehr viele Beobachtungen machen. Große spirituelle Persönlichkeiten sehen im Menschen immer das Geistig- Göttliche. So sprach Sai Baba in Indien die Menschen, die zu ihm kamen an mit „Embodyments of Love“ – Verkörperungen der Liebe. Persönlich gehe ich davon aus, dass Gott und Geist in jedem von uns lebt und es eine sehr individuelle Aufgabe ist, wie dieser Funken sich über Taten und Arbeiten in der Welt ausgestaltet und weiterentwickelt und letztendlich sogar den Körper verwandelt und vergeistigt. Der Körper wird einmal sterben und nicht mehr sein, ich gehe davon aus, dass aber seelisch- geistige Kräfte dennoch am Körper wirken und beispielsweise durch eine klare Bewusstseinsschulung ihn sogar feiner und freier durchgestalten, ihn in einem gewissen Maße vergeistigen.
Wie siehst du oder wie seht ihr das? Soweit mit herzlichen Grüßen, Maria
