#8774
Maria
Administrator

    Lieber Stefan, liebe Leser,

    ich hatte diese Geschichte schon lange nicht mehr gelesen. Das mit der Schlange, wie raffiniert sie frägt und schließlich zum Essen des Apfels verführt, das war mir gar nicht mehr im Bewusstsein. „Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?“ Und Eva antwortet ganz kindlich und aufrichtig und die Schlange macht sich das zunutze…. So erscheint mir heute das Bild. Und es ist ein typisches Vorgehen oder eine typische Beschreibung dessen, was List ist.

    Jetzt ist natürlich wieder die Frage, wie interpretiert man die ganze Geschichte? Wie erschließt sie sich? Ein Versuch von mir, wenn ich mal das Paradies herausgreife: Kann mit Paradies nicht der Zustand des Einsseins von Gott und Mensch gemeint sein? Adam und Eva sind sich keiner Trennung bewusst, sie sind sich auch ihres Körpers nicht wirklich bewusst, sie leben im Paradies und es ist für sie gesorgt. Ähnlich wie ein Säugling oder Kleinkind sich ganz mit seinen Eltern und seiner Umgebung verwoben fühlt und noch nicht eine Trennung und ein eigenes Ich wahrnehmen kann. Und könnte es nicht auch sein, so wie wir Menschen eine Entwickling durchgehen, dass diese Trennung von einem paradiesischen Zustand der Einheit notwendig ist, um zu Individualität und Erkenntnisstreben befeuert zu werden und diesen Zustand der Einheit auf neue Weise zu schaffen? Dass der Wunsch nach Einheit in uns Menschen damit grundgelegt ist, es aber einer Sonderung und Trennung bedarf, um erkennend zu einer neu errungenen Einheit und Verbindung zu gelangen. Wenn ich ganz mit etwas verwoben bin, kann ich es ja nicht objektiv erkennen. Im Hinschauen zum Objekt und Erforschen erschaffe ich auf neue Weise eine Verbindung. Das sind erste Gedanken, jedenfalls ist das Thema des Einsseins und der Trennung ein ziemlich existentielles in unserem Dasein. Ich bewege es weiter und vielleicht hat jemand ja noch einen ganz anderen Ansatzpunkt.

    LG Maria