• Dieses Thema hat 5 Antworten sowie 2 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 2 Wochen, 2 Tage von Maria aktualisiert.
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    • #8947
      Maria
      Administrator

        Die „Selbstfürsorge“ ist seit einiger Zeit zu einem sehr populären Begriff geworden. Er hängt meines Erachtens auch mit der ebenfalls populären Formulierung zusammen „Zuerst muss es mir selbst gutgehen, dann kann ich auch etwas für andere tun.“ Wie seht ihr das? Kann Selbstfürsorge angebracht, kann sie auch übertrieben sein, seit wann gibt es dieses Phänomen und dieses Wort in unserer Gesellschaft?

      • #9044
        Stefan
        Teilnehmer

          Liebe Maria, liebe Leser,

          das Thema „Selbstfürsorge“ erinnert mich an „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“.

          Sicher sollten wir uns in erster Linie um uns selber sorgen, meine ich, und wenn dann noch Kapazitäten frei sind, um andere.
          Es ist aber auch so in meinem Erleben, dass das Sorgen um meine Mitmenschen mich auch wiederum beglückt, insofern können wir das gar nicht so trennen, denn dann haben wir die Situation, dass ich mich um mich kümmere, wenn ich für den Anderen da bin.
          Es gibt ja auch den Ratschlag, dass wir das, was wir uns von anderen wünschen, erstmal anderen zukommen lassen sollen – und dann wird es sich auch bei uns einstellen bzw. löst sich dann der Wunsch oft damit schon auf..

          Es kommt auch darauf an, auf welche Ebene wir uns beziehen, finde ich, denn im Materiellen ist das ja vielleicht nicht immer für uns möglich, jedoch auf seelisch-geistiger Ebene.
          Also z.B. wenn es um unser Gefühlsleben geht, dann bin ich der Ansicht, des es in den allermeisten Fällen allein in unserer Hand liegt (bzw. an unserem Denken), wie wir in einer Situation empfinden oder fühlen werden.
          Da ist Selbstfürsorge unbedingt angebracht, finde ich, in dem Sinne, dass wir da volle Verantwortung für uns selbst übernehmen und nicht andere für unser Gefühlsleben verantwortlich machen.

          Klarer erscheint mir der Zusammenhang von einem achtsamen Umgang mit der Schöpfung und unserem eigenen Wohle.
          Hier ist es glaube ich offensichtlich, dass wir uns selber schützen, wenn wir pfleglich mit der Natur umgehen.
          Denn schließlich leben wir von ihr und durch sie, d.h. wenn wir sie schädigen, schaden wir uns selbst.

          Ein anderes Beispiel ist die Situation in einer Partnerschaft oder Freundschaft – da kann es leicht zu Unstimmigkeiten kommen, wenn die Verantwortung für unser Wohl an den Anderen abgegeben wird.
          Die Ansicht, dass uns der Partner glücklich oder unglücklich machen kann, ist für mein Verständnis einer der größten Fallstricke – gerade zwischen Mann und Frau führt dies leider oft zu Verstimmungen jegliche Art.

          Letztlich geht es im Grunde immer um die Übernahme unserer Eigenverantwortung – je mehr wir die versuchen auszulagern, desto unzufriedener werden wir sein, denn dann sind wir in einem Abhängigkeitsverhältnis.

          Mit lichten Grüßen
          Stefan

        • #9056
          Maria
          Administrator

            Lieber Stefan, liebe Leser,

            du greifst den Begriff der Selbstfürsorge sehr aktiv auf. In dem Sinne, dass wir verantwortlich für unser Leben sind und auch für unsere Gefühlszustände. Dass wir nicht unsere Mitmenschen dafür verantwortlich machen. Und du gehst das Thema von der Seite an, wie mein empathisches Zugehen und mein Sich-Kümmern um meine Mitmenschen gerade im umgekehrten Sinn schließlich die beste „Selbstfürsorge“ ist, weil diese Haltung aufbauend auf mich zurückwirkt. Das finde ich sehr interessante Überlegungen.
            Ein anderes Gedankenspiel möchte ich machen, da du das Evangelienzitat „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ anführst. Ich habe mir einige homepages und Beratungsseiten zu dem Thema der Selbstfürsorge angesehen und da habe ich mehr den Eindruck, dass die Aussage umgedreht wird, ungefähr so, „Zuerst musst du dich selbst lieben und nur dann kannst du auch deinen Nächsten lieben.“ Und da frage ich mich, ist das wirklich so? Also du Stefan, siehst es ja gleich in einem tieferen Sinne, nämlich dass die Liebe zum Nächsten an erster Stelle steht und damit auch eine Liebe zu sich selbst gegeben ist.
            Mein Eindruck, so wie ich die Aussage in unserer Zeit verstehe, ist, dass diese Selbstfürsorge nicht mehr so sehr in einem seelischen Sinn verstanden wird, sondern mehr in einem physischen Sinn. Also, ich muss mich um mich kümmern, und erst dann kann ich auch auf andere schauen. Wir hatten hier im Forum ja auch schon eingehender das Thema der Liebesfähigkeit beleuchtet und da kommt es mir so vor, dass es sich ähnlich verhält, wenn ich als erstes geliebt werden will und nicht selbst mit allen Fasern darum ringe, Liebesfähigkeit zu entwickeln, ein liebesfähiger Mensch zu werden.
            Was mich doch immer wieder wundert, dass Psychologen oder andere Berater durchgängig und felsenfest behaupten, sich zuerst um sich selbst zu kümmern, sei ein Akt der Reife und sei in keinster Weise egoistisch. Ich glaube, in manchen Fällen mag es das auch sein, aber es sollte doch vielleicht nicht zu einem für alle verbindlichen Grundsatz erhoben werden. So dass Menschen, die sich um die Entwicklung und das Wohl anderer bemühen schon fast als unreif und selbstschädigend angesehen werden. Wenn das die Grundhaltung der Menschheit wäre, so meine Überlegung, dann wären viele große Taten, die dem Allgemeinwohl dienten und dienen, erst gar nicht in die Geburt gekommen. Von dem her spricht mir auch deine Ansicht, dass an oberster Stelle die Übernahme einer Eigenverantwortung steht, sehr aus dem Herzen.

            Liebe Grüße, Maria

            • Diese Antwort wurde vor 3 Wochen, 1 Tag von Maria geändert.
          • #9073
            Stefan
            Teilnehmer

              Liebe Maria, liebe Leser,

              ja, ich glaube, da gilt es ganz genau hinzuschauen, aus welchen Beweggründen unser Tun entspringt.
              Handeln wir aus dem reinen Intellekt heraus, gibt es wohl diese Entscheidung, ob ich für mich oder für andere etwas tue.
              Wenn ich jedoch aus einem liebevollen Herzen heraus handel, gibt es diese Trennung im Grunde gar nicht mehr, denn dann haben wir die Situation, dass ich gleichzeitig für mich etwas tue, wenn ich für andere da bin.
              Sicher sollte das jedoch so gestaltet werden, dass ich meine eigenen Dinge dabei nicht vernachlässige – und dann sind wir wieder bei unserem bekannten „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
              Sonst würde es einfach nur heißen „Liebe deinen Nächsten.“
              Das Gebot der Liebe bedeutet für mich jedoch auch, dass ich mir in einer entsprechenden Situation überlege, wie ich mich fühlen würde, wenn ich vom anderen so behandelt werden würde, wie ich vor habe zu handeln, d.h. ich tausche gedanklich die Seite und spüre dann hinein, wie es für mich wäre.

              Ein egoistisches Handeln würde ich als solches bezeichnen, wenn ich meine eigenen Ziele auf Kosten anderer erreichen will.
              Ansonsten würde ich eher von Selbstfürsorge sprechen.

              Herzliche Grüße
              Stefan

            • #9191
              Maria
              Administrator

                Lieber Stefan, liebe Leser,

                das ist schon gut beobachtet, wie du schreibst, es heißt in den Evangelien weder „Liebe dich selbst“, noch „Liebe deinen Nächsten“, sondern „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Und auch deine Anregung sehe ich wertvoll, gedanklich die Seite zu wechseln und sich hineinzuversetzen, wie du dich fühlen würdest, wenn ein anderer dich so behandelt, wie du vorhast ihn zu behandeln. Ich würde sagen, das ist in einem gewissen Sinne eine Schulung. Und da dir die Entwicklung von Liebesfähigkeit eines der größten Anliegen ist – so habe ich dich bisher verstanden – wird diese Schulung oder dieses Sich-Hineinversetzen in einen Anderen ein Teil des eigenen Lebens. Darin liegt ein sehr großer Wert. Es kommt eine Ahnung, dass wir uns gar nicht ohne unsere Mitmenschen weiterentwickeln können, dass eine Selbstverwirklichung nur für mich allein nicht möglich ist.
                Deine Anmerkung zu egoistischem Handeln, das in deinen Augen darin liegt, die eigenen Ziele auf Kosten von anderen zu erreichen, stimme ich ganz zu. Auch da wird mir klar, dass ich etwas wie eine Besinnung und ein Nachdenken brauche, wo ich eventuell doch andere benutze. Sei es, dass ich sie binde, nicht freilasse, nicht an ihrer Entwicklung interessiert bin oder direkt benutze.

                herzlicher Gruß, Maria

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