Liebe Maria,
wie hoch das Bewusstsein Jesu dazumal war, als er die Händler aus dem Tempel verjagt hatte, sei mal dahingestellt – dabei geht es um die viel diskutierte Frage, ob Jesus von Geburt an vollkommen (in der Liebe) war oder ob er sich im Laufe seines Lebens zur Vollkommenheit hinentwickelt hatte?
Wir sprechen ja auch von „Christus-Bewusstsein“ und nicht von „Jesus-Bewusstsein“ – ich glaube, diese Wortwahl ist kein Zufall.
Persönlich gehe ich also von Letzterem aus – ich glaube, dass er erst am Kreuz zur Vollkommenheit gelangt ist („VATER, ich vergebe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“) – und deswegen war für mich die Kreuzigung in dem Sinne auch notwendig…für ihn selbst, damit er den letzten Schritt gehen konnte – sogar denen zu vergeben, die ihn (unrechtmäßig) ans Kreuz geschlagen hatten – mehr geht nicht.
Heutzutage sind Entweihungen und Missbrauch in der Welt an der Tagesordnung – und damals war es bestimmt nicht so viel anders.
Und auch wir werden immer wieder gekreuzigt, nicht leiblich, aber gedanklich oder mit Worten, insofern können wir Vergebung diesbezüglich ebenso üben.
Aber wie du auch von Ghandi schreibst, Liebe bedeutet wohl manchmal einfach, den Anderen deswegen nicht zu verurteilen oder gar zu hassen.
Herzliche Grüße
Stefan
