#9641
Stefan
Teilnehmer

    Liebe Maria,

    bzgl. kein Liebesgebot – sagt Jesus nicht: „Liebet eure Feinde!“?
    Er sagt aber nicht: „Liebe deine Feinde wie dich selbst!“
    Genau das meinte ich oben in meinem Beitrag – das Liebesgebot gilt für meine Begriffe grundsätzlich immer, aber eben teilweise eingeschränkt, wenn man so möchte.

    Wenn jemand neben dir raucht und du wirst gezwungen, seinen Rauch einzuatmen, ist das auch nicht gesund, ich kann aber auch hinwegsehen und mir denken, ok, das wird mir jetzt nicht wirklich schaden (kommt hier auch wieder auf die Häufigkeit an).
    Wenn ich jedoch innerlich mit dem Raucher kämpfe, ihn deswegen verurteile oder wütend auf ihn werde, schadet mir das sicherlich mehr, wie wenn ich mal ein wenig Rauch einatme.
    Das Liebesgebot bedeutet in so einem Falle für mich, dass ich den Menschen mal grundsätzlich nicht dafür verurteile oder abwerte, nur weil er raucht.
    Dass ich es ihm selbst überlasse, was er mit seiner Gesundheit bzw. mit seinem Körper macht oder nicht.
    Denn wo fangen wir da an und wo hören wir auf?
    Der Nächste sagt dann zu dir, du solltest aber keinen Zucker verzehren oder Kaffee trinken oder nichts Gekochtes essen oder was auch immer – da kommen wir ins Endlose und sind nur am Moralpredigen, was uns nichts angeht – es ist jedem selber überlassen.
    Wenn wir gefragt werden, wie wir das handhaben, können wir ja was dazu sagen…und meist haben wir ja auch die freie Wahl, mit wem wir unsere Zeit verbringen.

    Das mit dem seelischen Liebesdienst, was du anführst, finde ich heikel, denn damit könnten wir vieles rechtfertigen (und wer sagt uns, dass unsere Ansicht eigentlich die rechte ist?) und sind eben schnell im Missionieren und Besserwissen drinnen – da kann oft viel Unfriede entstehen.
    Menschen, die mir dauernd sagen, was „gut“ ist und was nicht, sind sehr anstrengend – von ihnen halte ich mich fern – und ist „gut“ nicht immer relativ?

    Die Lehre Jesu verstehe ich in der Weise, dass das Ziel jeglichen Denkens und Tuns immer der Friede sein sollte:

    „Soweit es an euch liegt, haltet mit jederman Frieden!“

    Der Friede fängt aber i n uns an, z.B. im Nicht-Verurteilen, im So-Sein-Lassen-Können, in der Akzeptanz des Anderen, in dem Geiste, dass wir nicht unbedingt die Wahrheit gepachtet haben.
    Es ist auch eine Geisteshaltung, die Lernen und Erkennen ermöglicht, denn somit habe ich schon oft neue Gedankengänge entwickeln dürfen und bin zu ganz neuen Erkenntnissen gekommen.

    Herzliche Grüße
    Stefan