#8668
Maria
Administrator

    Lieber Stefan, liebe Leser,

    du hast ja jetzt nochmal konkretisiert, was du mit Wissen meinst, ich verstehe dich hoffentlich richtig, es ist ein Wissen von metaphysischen Zusammenhängen und Phänomenen, das dich interessiert.
    Wo wir vielleicht manchmal aneinander vorbeireden, habe ich den Eindruck, das sind Themen, die du eventuell als schon gegeben und existent ansiehst und bei denen ich sage, hier muss ich mich sehr konkret beschäftigen. Ich gehe davon aus, dass wir Menschen nicht schon liebesfähig und weisheitsvoll auf die Welt kommen. Was bei einem kleinen Kind da erfahrbar ist, dass es aus den geistigen Welten kommt und in aller Unschuld und Freude in der Welt ist, das ist normalerweise bei einem Erwachsenen nicht mehr gegeben. Mein Weltbild ist geprägt davon, dass ich mich entwickeln will, dass ich manche Anlagen in mir trage, die vielleicht leichter verwirklichbar sind und andere, die ganz schlummern und erarbeitet werden wollen. Zwei Begriffe, die mir hier wichtig sind, sind die Entwicklung und das Lernen. Und dass mit jeder Entwicklung und jedem Lernen eine Bewusstseinserweiterung stattfindet. Und wie ich dich bisher verstehe, um Bewusstseinserweiterung geht es dir auch. Nur die Wege dahin sehen wir unterschiedlich.

    Ich halte es für richtig, wenn du sagst, wir brauchen einen Fixpunkt, oder vielleicht eine Idee oder ein Ideal, einen verwirklichten Menschen, der tatsächlich die Liebesfähigkeit manifestiert hat und unmittelbar ausstrahlt. Du nennst den Jesus, ich spreche immer lieber von Christus, aber da müssen wir uns nicht streiten. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass man im eigenen Streben und Wachsen auf einem eigenen Entwicklungsweg ein Vorbild oder eine Persönlichkeit braucht, die ein wahres und für die gesamte Menschheit förderliches Werk in die Welt gebracht hat. Erforsche ich so einen Menschen, mit aller Hochachtung für sein Tun, sein Werk, seine Opfer, seine Kunst, die er gebracht hat, dann entsteht auch eine innerliche seelische Verbindung zu diesem Menschen. Er wird mich auf meinem Entwicklungsweg beflügeln und mir zu einer Ausdauer verhelfen. Die Themen aber, an denen ich arbeite, müssen für mich immer konkrete Themen sein. Ich brauche das Gegenüber eines Menschen, das Gegenüber eines Forschungsobjektes, ich kann mit einer Allliebe und Alleinheit, in der wir bleiben sollen, im Grunde nichts anfangen. Wie ich dich verstehe, bist du ja auch im Austausch mit Personen, die an konkreten Themen oder Phänomenen arbeiten, diese erforschen, z.B. das Wasser, du die Chemie und Physik, ich die Worte, den Yoga, die Ernährung…

    Und wenn ich einen Bereich tiefer erfasse, auch mithilfe von inspirierten Schriften und Personen, dann bin ich in diesem Bereich ein freierer und gebender Mensch. Und hierin sehe ich auch ein Zeichen von Spiritualität, ein Mensch, der frei ist und aber ganz verantwortlich, der an der Entwicklung anderer genauso interessiert ist wie an der eigenen, ein Mensch, der verbindet statt zu trennen.
    Ich habe den Schulungsweg von Heinz Grill gewählt, da ich ihn für einen zeitgemäßen und gangbaren Weg halte. Hätte ich aber seine Person nicht kennengelernt, die ein Wissen und eine Liebe ausstrahlt, wie ich sie von einem lebenden Menschen sonst nicht erfahren habe, so hätte ich auch den Schulungsweg nicht gewählt. Über Heinz Grill kamen mir auch Rudolf Steiner, Sri Aurobindo und Sathya Sai Baba näher. Zu den deutschen Philosophen, Dichtern und zu Literatur hatte ich schon immer eine Liebe.

    Dabei steht es jedem Menschen frei, welchen Lehrer er sich sucht, ob er sich einen Lehrer sucht und mit welchem Thema er sich beschäftigt. Ich habe nur den Anfang des von dir empfohlenen Filmes gesehen. Schwierigkeiten habe ich damit, wenn mir jemand sagt, wie im Film gegeben “Wach auf!” oder “Sei achtsam!”. Welcher Erwachte will hier den offenbar “unerwachten” Teil der Menschheit wachrütteln? Das ist nicht freilassend und erscheint mir schon etwas darüberstehend. Das wollen wir Menschen heute doch nicht, es will doch keiner missioniert werden oder als dumm dargestellt werden. Warum ich das Forum aber ins Leben gerufen habe, das ist mein Anliegen, in einen ordentlichen Dialog zu treten und Gedanken zu bewegen. So wie wir das hier tun und Kontroversen wird es hier auch oft geben. Das finde ich nicht schlimm, wenn wir trotzdem im Dialog damit umgehen.

    Mit herzlichem Gruß, Maria