#8645
Stefan
Teilnehmer

    Liebe Maria, liebe Leser,

    ehrlich gesagt kann ich nicht ganz nachvollziehen, was es für einen Wert haben soll, wenn ich einen willkürlich festgelegten Namen von einer Pflanze “weiß”?
    Ist es nicht vielmehr so, dass ich damit die Pflanze bereits in eine Schublade schiebe und ein wirkliches Erkennen ihres Wesens damit unmöglich mache?
    Diese Ansicht teile ich durchaus mit Krishnamurti – ich habe dies immer wieder bei mir beobachtet – sobald ich etwas benenne, verfliegt der Zauber des Wesens selbst.
    Benenne ich es hingegen nicht, bleibt der Zauber erhalten und eine tiefe, innige Begegnung wird möglich, was ich teilweise auch mit “Liebe” beschreiben würde – genau deswegen, da ich mir kein Bild von ihm mache (“Du sollst dir kein Bildnis machen…”).
    Probiert es ruhig selber mal aus – würde mich interessieren, was ihr für Erfahrungen diesbezüglich macht.
    Ähnlich ergeht es mir übrigens mit innerlichen Zuständen oder Erlebtem – sobald ich es in Worte fassen möchte, ist der Zauber dahin…wahrscheinlich, da Worte niemals das Leben ausdrücken können.

    Liebe Maria, aufgrund Deiner Frage, wo denn ohne Wissenwollen ein Vorwärtsschreiten und eine Entwicklung im Menschen stattfinden soll – frage ich Dich, welches Wissen Dich in Deinem Leben bisher diesbezüglich wirklich vorangebracht hat?
    Ich habe nämlich bei mir leider keines gefunden…einzig einige Annahmen, dass es womöglich so etwas wie ein “gerechtes” Gesetz von Saat und Ernte gibt, dass es die Kraft der Vergebung und das Wunder der Liebe gibt.
    Gut, ich kann sagen, dass ich über viele bewusste Erfahrungen mehr Vertrauen ins Leben und zu mir selbst gefunden habe, dass mein Glaube an die Liebe dadurch gewachsen ist, dass ich geführt werde durch eine Stimme, die ich in mir höre, die mir für mich wichtige Dinge mitteilt oder mir eine Frage stellt, die mich auf etwas aufmerksam machen möchte, aber ich könnte nicht sagen, dass ich mehr weiß als vor 30 Jahren.
    Vor 30 Jahren dachte ich nur, ich wüßte soo viel…und bin vom Leben immer wieder eines Besseren belehrt worden 😉
    Eigentlich kann ich gar nicht sagen, dass ich überhaupt etwas über das Leben weiß, das ist ja gerade der Punkt, darum habe ich diesen Pfad irgendwann für mich verlassen, da er für meine Begriffe nicht zum angestrebten und ersehnten Ziele führt: zum Frieden in meiner Seele.

    Muss ich etwas wissen, um lieben zu können?

    Für mich gibt es nur eine wirklich sinnvolle Art der Weiterentwicklung, nämlich in der Liebesfähigkeit zu wachsen.
    Dazu bedarf es in meinen Augen u.a. Vertrauen, Demut, Achtung, Wertschätzung, Dankbarkeit und Offenheit.
    Ja, es bedarf auch ein Wollen diesbezüglich, natürlich, den Rest arrangiert wohl eh das Leben für uns, indem es uns in entsprechende Situationen führt, um genau diese Eigenschaften zu einer Vergrößerung unserer Liebsfähigkeit entwickeln zu können.
    Alles andere würde ich eher als “Fortschritt” bezeichnen – also ein Entfernen des Menschen von seiner wahren Natur.
    Und wenn wir bedenken – schon alleine in der Zeitspanne, in der wir bisher gelebt haben – wie oft hat sich die Expertenmeinung und das “Wissen” von vielen Dingen geändert…oft in genau das Gegenteil…?
    Früher sind Forscher dafür verbrannt worden, als sie behaupteten, die Erde sei rund.
    Und heutzutage wandern immer noch Ärzte ins Gefängnis dafür, weil sie die C-Impfung angezweifelt und nicht verabreicht hatten.
    Es gibt unzählige Beispiele, dass unser sog. Wissen sehr mit Vorsicht zu genießen ist.

    Und mit Verlaub, diejenigen Menschen, die meinen, sie wüßten sehr viel, sind oft mit einem großen Ego verhaftet und wollen sich darüber profilieren, stellen sich über andere und meinen, sie wären etwas Besseres – gerade auch im spirituellen Bereich, aber natürlich auch in den sog. Wissenschaften.
    Die Demütigen aber unter uns, die eher still sind und sich nicht ins Rampenlicht stellen, die immer wieder um ihre innere Wahrheit ringen, darunter habe ich immer mal wieder eine sehr tiefgründige und liebende Seelen finden können.

    Mit lichten Grüßen
    Stefan