Liebe Maria,
sicher gibt es Vorstellungen, die konstruktiv und schöpferisch wirken, keine Frage, aber darum geht es hierbei nicht, sondern um Situationen oder Menschen, die von uns beurteilt werden.
Diese Beurteilungen geschehen aufgrund einer bestimmten Geisteshaltung/eines bestimmten Bewusstseins – und lassen ein Bild davon entstehen, welches sehr subjektiv ist und mit der Wirklichkeit nicht unbedingt etwas zu tun haben muss.
Vielmehr wird oft das von uns wahrgenommen, was wir an eigenem Gedankengut in uns tragen oder nach eigenen Verhaltensweisen beurteilt wird.
Insofern sagen diese Annahmen oder Schlussfolgerungen oft mehr über den etwas aus, der sie äußert, als über den in der betreffenden Situation.
Eine objektive Wahrheit kann es also diesbezüglich als Mensch nicht geben, dies ist nur dem ALL-GEIST/”HEILIGEN GEIST” möglich, denn nur ES hat alle Informationen zu einer Situation und ist demzufolge “neutral”.
Manchesmal mag es wohl sein, dass uns ein Geistesblitz ereilt und wir für einen kurzen Moment “Wahrheit” erfahren dürfen…eine kleine Schau oder Offenbarung…so wie bei den Propheten oder Sehern – da geht es jedoch meist um übergeordnete Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten des Lebens.
Nicht umsonst hatte der (meiner Ansicht nach) größte Philosoph aller Zeiten, Sokrates, postuliert: “Ich weiß, dass ich nichts weiß.”
In Goethes Faust kommt das Gleiche zum Ausdruck, wenn Faust spricht: “Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor…”
In neuerer Zeit hat Byron Katie in “The work” dieses “Nichtwissen” positiv eingebaut in ihren vier Fragen:
Ist das wahr?
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
Wer wärst du ohne den Gedanken?
Wenn wir ehrlich sind, können wir die zweite Frage niemals mit “ja” beantworten.
Und anschließend kehrt man den Gedanken dann auch noch um…und bemerkt, dass er genauso möglich wäre.
Insofern kann mir in diesem Prozess bewusst werden, dass es meine Annahme/Vorstellung/Vermutung ist – und nicht die Wirklichkeit.
Und dann kann ich diese auch fallen lassen – ja und dann komme ich möglicherweise der “Wahrheit” in dieser Situation etwas näher.
Jesus machte diesbezüglich übrigens ähnliche Aussagen, als er nach Dingen gefragt wurde, die nur “…der VATER alleine weiß…”
Der Witz an der Sache ist aber nun, dass das Bewusstwerden dieses “Nicht-wissen-Könnens” ein Vorteil für uns ist und kein Nachteil, denn damit werden wir erst frei.
Wenn ich nichts wissen kann, was bleibt mir dann noch übrig…??
Tja, ich würde sagen, die LIEBE.
Wissen hat ihren Ursprung im Gehirn und kann sich nur auf bisher Erfahrenes, also auf Vergangenes stützen, die Liebe jedoch entspringt aus dem Herzen…und das Herz ist das Sprachrohr der Seele, also des Göttlichen in uns – und agiert immer im J E T Z T.
Wenn wir uns also bewusst sind, dass wir nichts wissen können, fällt es uns leichter zu lieben, finde ich, da Liebe u.a. auch gerade Annahme bedeutet.
Und genau in dieser Annahme eines Menschen oder einer Situation komme ich der objektiven Wahrheit = Wirklichkeit wohl am nächsten.
Unsere Welt strotzt heutzutage nur so voller sog. Wissen – ist sie deshalb besser geworden?
Mit lichten Grüßen
Stefan
