Lieber Stefan,
du hast da schon etwas differenziert herausgearbeitet, worin du eine Art Unstimmigkeit im „Kurs in Wundern“ siehst. Deine Überlegungen, dass wir Menschen unweigerlich in eine Depression fallen müssten, würden wir das Weltliche als Illusion abwerten, sind für mich sehr nachvollziehbar.
Was ich dir in dem Zusammenhang mitteilen möchte ist, dass ich in Gedanken und Vorgehensweisen immer eine Art Logik suche. Ich nehme einmal den Satz, den du als Kernsatz des Kurses in Wundern siehst “Nichts Wirkliches kann bedroht werden, nichts Unwirkliches existiert, hierin liegt der Friede Gottes.”
Wenn ich nun nachdenke, was damit gemeint ist „Nichts Unwirkliches existiert“, dann würde ich es so auffassen, dass die konkreten Dinge dieser Welt eben „wirklich“ sind. Nehme ich dann die Übungsformel aus dem Kurs, die ich im letzten Beitrag geschrieben habe „Dieser Tisch bedeutet nichts“, dann gehen diese Aussagen für mich nicht zusammen. Ich erlebe es so, dass ein derartiges Üben mit einem solchen Satz oder Mantra in mir ein Gefühl der Unstimmigkeit und Ungeordnetheit hervorbringt. Ich erkenne und erlebe darin keine Logik.
Wenn ich einmal beim Beispiel des Tisches bleibe. Was ist ein Tisch? Er ist ein in die Manifestation gebrachter Gegenstand eines menschlichen Gedankens. Es hat sich jemand einen Tisch vorgestellt, das Holz gewählt und zugeschnitten und schließlich mit einiger Handwerkskunst einen ansehnlichen und brauchbaren Tisch geschreinert. Ein Gedanke hat sich über die Vorstellungskraft und handwerkliche Geschicklichkeit eines Menschen realisiert. Betrachte ich also einen Tisch, dann betrachte ich tieferliegend auch den Gedanken und die Vorstellungskraft seines Schöpfers. Deshalb ist der Tisch nicht nur dieser äußerlich sichtbare Gebrauchsgegenstand, er ist aus Holz, aber nicht tot, es liegt ihm eine Idee zugrunde. Er wird einmal vergehen, vielleicht aber sogar mehrere Menschenleben überdauern. Er ist dennoch Ausdruck der Schöpferkraft des Menschen und deshalb ist es in meinen Augen nicht logisch zu sagen, er bedeute nichts.
So wäre für mich die konkrete Betrachtung eines Tisches und seiner Gestaltung, vielleicht sogar eine Erforschung des Begriffes „Tisch“ und seiner Etymologie durchaus eine Möglichkeit einer bewusstseinsvertiefenden Übungsweise, eine Annäherung an eine objektbezogene Meditation.
Generell liegen wir im vorliegenden Fall des Kurses in Wundern in einer Auseinandersetzung, die das Wesen des Medialen betrifft. Denn dieser Kurs wurde durch ein Medium und seine Botschaft in die Welt gebracht. Was ist ein Medium? Ist das, was ein Medium sagt, wahr oder nicht wahr? Gibt es unterschiedliche Medien?
Ich habe im Laufe meiner Beschäftigung mit esoterischen Themen einige in meinen Augen schon recht sonderbare Äußerungen gehört. Da gibt es beispielsweise eine Frau, die in Videos behauptet, sie sei eine Heilerin, die sich nicht mit Michael oder einem sonstigen Erzengel verbindet, sondern sich gleich mit Gott verbindet. Und die dir anbietet, dass sie dich aus der Ferne gegen Bezahlung heilt, du müsstest nur auf deinem Sofa liegen und ihr vertrauen. Sie bezeichnet sich als Heilerin und Medium. Ich würde eher sagen, da stimmt etwas mit der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung der Mitmenschen nicht und sie schafft sich eine illusionäre Welt. Hier tatsächlich in dem Sinne, wie du das in deinem Beitrag schilderst.
Kurz zusammengefasst bin ich der Ansicht, dass den Menschen das stärkt, was er sich durch bewusste Anschauung und Forschung erringt und weniger das, wo hinein er sich durch Herabdämpfen seines Bewusstseins und tranceartige Zustände begibt. Das Thema des Mediums ist aber umfassend und ich möchte darauf in einem anderen Beitrag nochmal zurückkommen.
Soweit herzliche Grüße, Maria
