#8628
Stefan
Teilnehmer

    Liebe Maria,

    Bezug nehmend auf deine Anmerkung, was den “Kurs” anbelangt – da ich in den letzten Wochen immer mal wieder die Tageslektionen von Gottfried Sumser über den “Kurs in Wundern” angehört habe, hier eine kleine Stellungname dazu.

    Der Kernaussage des Kurses, “Nichts Wirkliches kann bedroht werden, nichts Unwirkliches existiert, hierin liegt der Friede Gottes.”, kann ich voll und ganz zustimmen – darum habe ich ihn auch in meiner Schrift “Über die Liebe” erwähnt.
    Es bedeutet ja, dass unser eigentliches, “göttliches” Selbst, welches Licht ist, nicht bedroht, angegriffen, verletzt oder getötet werden kann.
    Dies ist ja eine sehr erbauliche Aussage, finde ich, und so nehme ich mein eigenes Selbst auch wahr – es steht “über den weltlichen Dingen”.
    Und genau deswegen kann da auch Friede herrschen, egal, was im Weltlichen geschieht.
    Es ist das, wo Jesus sagt: “Seid in dieser Welt, aber seid kein Teil von dieser Welt!” – da wir von unserem Ur-Wesen her Liebe/Licht/Glückseligkeit sind, ein Ebenbild Gottes, ein Wassertropfen im Meer…
    Der Wassertropfen kann nicht sterben, er kann sich höchstens für eine Zeit umwandeln, z.B. in Wasserdampf, dann kondensiert er wieder und ist erneut Wasser.
    Ein schönes Bild, finde ich, zeigt es uns doch die Unvergänglichkeit von unserem Selbst, ja des Lebens an sich auf.

    Was die Tages-Lektionen und deren Aussagen angeht, bin ich da auch nicht immer so begeistert und gehe nicht mit allem konform, da geht es mir so wie dir, liebe Maria, was du auch oben als Beispiele nennst.
    Auch die Begrifflichkeiten, wenn z.B. von “Illusion” die Rede ist, finde ich missverständlich, denn ich verstehe unter einer Illusion etwas, das nicht da ist, was ich mir jedoch einbilde.
    So wie ich diese Aussagen im Kurs verstehe, wird es jedoch in dem Sinne verwendet, dass wir nur immer einen kleinen Ausschnitt vom Ganzen sehen und nicht das Ganze (= die Sicht des “Heiligen Geistes” oder der “Liebe”).
    Klar kann man da auch von einer “Illusionswelt” sprechen, da sie anders ist, als wir sie vielleicht verengt wahrnehmen, dennoch würde ich diese Formulierung als nicht besonders glücklich bezeichnen.

    Meine Mutter liest den Kurs seit Jahren, und wir hatten da bereits öfters so unsere Diskussionen darüber, da sie oft irgendwann sagte, “…ist ja eh alles Illusion, also brauche ich mich nicht darum zu sorgen…”
    Dies ist eine Anschauung oder Auslegung, welche am Kern des Ganzen völlig vorbei zielt, meine ich, denn es geht ja nicht um die Leugnung des Weltlichen, sondern vielmehr um die Annahme dessen in dem Sinne, dass uns bewusst ist, dass es nicht das Einzige ist, was existiert – und dass wir diese Welt mit unserer Liebesfähigkeit erfüllen können, dürfen, “sollen”…
    Wenn das Weltliche als “Illusion” abgewertet wird, was angeblich nur durch unsere Gedanken erschaffen wird und eigentlich gar nicht existiert, führt das direkt in eine Depression, würde ich sagen, denn dann macht nichts mehr Sinn, egal, was ich tue.
    Dann macht selbst “Liebe” keinen Sinn, da sie ja in nichts mehr einfließen kann.
    Außerdem werden die Begriffe “Ego” und “Körper” vermischt und oft identisch gebraucht, so scheint mir, was in meinen Augen ebenfalls absurd ist.
    Der Körper ist für mich ein großes Geschenk, ein Gefäß, welches mir dieses Leben in der Form als Mensch erst ermöglicht, der mir diese Erfahrungen möglich macht, um überhaupt erst erkennen zu können, was LEBEN/LIEBEN bedeutet.

    Man muss also schon sehr genau hinsehen, wenn man da nicht in die Irre geleitet werden will, meine ich, da gibt es einfachere, umissverständlicherer Literatur zu diesem Thema.

    Mit lichten Grüßen
    Stefan