Liebe Maria,
interessante und durchaus berechtigte Gedanken, die du da anführst!
Also, so wie ich das erfasse, ist es so, dass dieses Triebhafte oder auch ein Begehren oder eine starke Emotion wie Ärger oder Wut nur dann auftreten, wenn wir irgendwo Trennungsgedanken in uns tragen.
D.h. wir glauben z.B., dass uns nur dies und jenes wirklich erfüllen kann und dann entwickeln wir ein Begehren diesbezüglich.
Oder wir glauben, dass wir unseren Trieben willenlos ausgeliefert seien oder sehen sie als völlig natürlich an oder können unseren Wunsch nach Intimität und Sexualität nicht ausleben etc., dann werden wir triebhaft sein.
Je mehr wir aber “durchgeistigt” werden, also den Geist der absichtslosen und bedingungslosen Liebe in uns tragen, desto mehr werden wir die Wahrheit für uns erkennen, d.h. die Zusammenhänge des Lebens.
Und die Wahrheit wird uns frei machen – und damit landen wir automatisch in der Fülle des Lebens.
Und wer in der Fülle lebt, der weilt in Frieden, da gibt es diese Art von Regungen nicht.
Das ist meine Erfahrung.
D.h. jetzt nicht, dass ich dies in jedem Augenblick verwirklichen könnte, aber ich strebe auf dieses, möglicherweise ideelle Ziel immer mehr hin und beobachte eben diese Entwicklung bei mir selber.
Ein kleines Beispiel dazu.
Es gab eine Zeit, da war ich ziemlich triebhaft und wollte oft schnellstmöglich mit einer Frau ins Bett (-> Trennungsgedanken von w/m).
Dann schickte mir das Leben eine Frau ins Haus (sie brauchte eine Bleibe und ich hatte Platz), die partout nicht mit mir geschlechtlich intim werden wollte, obwohl wir uns sehr mochten, geistig tief austauschten, uns gegenseitig massierten und sogar ab und zu nackt miteinander im Bett kuschelten.
Es war für mich zum haareausraufen, aber sie blieb standhaft, da ich angeblich nicht ihr Seelenpartner war und sie nur mit diesem intim werden wollte.
Hm, also was tun?
Irgendwie wollte ja meine sexuelle Energie zu ihr fließen…aber wie?
Sie spürte meine Not und half mir, indem sie mir einige Möglichkeiten aufzeigte, z.B. kemmte ich ihr lange liebevoll und mit Hingabe ihre Haare oder ich massierte sie oder nahm sie einfach in meine Arme, kochte für sie, seifte sie in der Dusche ein, wusch ihr die Haare etc.
Mit der Zeit spürte ich eine Wandlung meines Wollens und Empfindens für sie, meine Achtung vor ihr wuchs genauso wie meine Demut vor der weiblichen Kraft und Energie generell.
Ich begriff, was im Grunde hinter dem sexuellen Trieb stand: der tiefe Wunsch nach Vereinigung (von weiblich und männlich), gerade auch in mir selber, die Sehnsucht nach dem Glücksempinden, welches im Ausgleich und der Erlangung von Harmonie zu finden ist, letztlich nach Frieden in mir…
Als ich dies erkannte, änderte sich mein Umgang und mein Empfinden für die Frau/das Weibliche grundlegend – und das Triebhafte verschwand immer mehr.
An dessen Stelle trat die Liebe: die Achtung meines weiblichen Teils/des Weiblichen, das Bewusstsein von einem Ausgleich zwischen weiblich und männlich, die Erkenntnis, dass Leben sich nur dann gesund und erfüllend (in mir) entwickeln kann, wenn beide Kräfte grundsätzlich als gleichwertig betrachtet werden etc.
Wie bei allen Erscheinungen unseres Wollens, gilt es auch gerade hierbei genau hinzusehen, was das eigentliche, ursprüngliche Bedürfnis ist?
Und je mehr wir an dessen Wurzeln ansetzen, desto grundlegender wird die Wandlung in unserem Empfinden und Handeln werden.
Es nützt nichts, zu sagen oder oberflächlich zu wollen, dass ich dies oder jenes nicht mehr tun möchte, das wird nicht funktionieren, die Kräfte werden sich andere Kanäle suchen, wenn wir uns etwas selbst verbieten, denn die Energie möchte immerzu fließen.
Wir müssen die Ursache finden und dort ansetzen, dann ändert sich unser Verhalten automatisch.
Ganz nach dem Motto: “Möchtest du einen Menschen dazu bringen, ein Boot zu bauen, wecke ihn ihm die Sehnsucht nach dem Meer…”
Genauso könnte man sagen: “Möchtest du deine Unzufriedenheit beseitigen, wecke in dir die Sehnsucht nach der Liebe…”
Es kommt ja immer darauf an, was wir möchten – wenn wir zornig, aufbrausend, ungerecht, emotional etc. sein wollen, können wir das natürlich, es steht uns frei, jedoch werden wir mit den Folgen leben müssen (-> Saat und Ernte).
Wenn wir das jedoch nicht möchten, weil wir spüren, dass uns das nicht gut tut, dann gibt es eben Alternativen.
Lichte Grüße
Stefan
P.S.: Bezüglich Einstellen meiner Gedanken über die Liebe – hier der Link dazu:
Über die Liebe
