Lieber Leser,
lieber Stefan, zunächst beziehe ich mich auf dich. Du schreibst, dass liebevolle Gedanken und Taten uns sehr viel Freude schenken. Ich kann mir schon vorstellen, dass das der Fall sein kann. Dennoch, ich finde es nicht ganz leicht zu erkennen, worin wirklich eine liebevolle Handlung besteht. Die kann doch auch darin bestehen, dass einem Menschen vielleicht ein Wunsch nicht erfüllt wird, und darin, dass ich etwas nicht tue oder sage und auch das Schenken, wenn es nicht vollkommen uneigennützig ist, muss nicht immer eine Liebestat sein.So ist die Frage, was ist eine Liebestat? Macht sie den anderen und mich freier, fördert sie in der Entwicklung oder werde ich oder der andere nur im Äußeren “befriedigt” oder in irgendeiner Weise beschenkt? Also, was ihr unter einer Liebestat und einem Gedanken der Liebe versteht, das wûrde mich sehr interessieren.
Dann schreibst du noch: “Wenn Gott nichts von uns erwartet, dann gibt es keine Schulden.”
Wo und wer ist Gott und welche Beweggründe führen dich zu dem Gedanken, dass er nichts von uns erwartet? Meine Weltsicht ist eher so, dass ich davon ausgehe, dass es eine Bedeutung hat, dass ich in dieses Leben getreten bin und in diesem auch wirksam werden will und weiter wachsen und lernen, z.B. die Liebesfähigkeit entwickeln. Und dass ich diese über eine sinngebende Aufgabe ausgestalten kann. Wie denkst du darüber?
Und zu deinen Gedanken, Jens: Ich kann mir gut vorstellen, wie du schreibst, dass Steiner hier auf eine Liebe hinweisen will, die ganz frei von Egoismus ist. Und wie so eine Liebe sich zeigt, da muss ich erstmal Bilder und Taten finden. In den Evangelien finden sich immer wieder Beispiele dieser Liebe. Sie ist glaube ich nicht leicht in Worte zu fassen. Und dass es eben auch einen Egoismus im sprituellen Streben gibt. Dass Steiner differenziert so schwierige Themenbereiche beschreibt und die Worte dafür findet, das schätze ich persönlich sehr.
Was ist eine Liebestat? Das würde ich gern weiterbewegen. Und es bleibt auch immer noch die Frage offen, warum es denn so wenig Liebe auf der Welt gibt?
Liebe Grüße, Maria
