Liebe Maria,
vielen Dank noch für die kurze Stellungnahme bzgl. der verschiedenen Energien im Menschen!
Da greife ich mal einen Punkt davon auf, nämlich den, der von dir angesprochenen Schulung des Denkens, Fühlens und Wollens.
Es ist ja grundsätzlich die Frage, was wir eigentlich Denken und Fühlen wollen?
Denn wir kreieren unsere Gedanken und insofern auch unser Fühlen ja selbst…
Auch stellt sich mir die Frage, wieso ich eigentlich dies und jenes (unbedingt) fühlen möchte?
Sind da Defizite in meinem Leben, welche nicht gelebt werden?
Und warum?
Wenn ich z.B. als Windsurfer unbedingt mal wieder übers Wasser flitzen möchte, dann werde ich entsprechende Gedanken und Gefühle entwickeln, wenn kein bzw. nicht genug Wind bläst.
Möchte ich hingegen lieber mit einem Freund Tischtennis spielen, wäre Wind sehr hinderlich…
Wir sehen an diesem einfachen Beispiel sehr schön, dass unsere Gedanken und Empfindungen dazu sehr von unserer Zielsetzung abhängt, von unseren Vorstellungen, Wünschen und Plänen.
Gehe ich einen Schritt weiter und sage, gut, wenn (genug) Wind weht, gehe ich Surfen, wenn nicht spielen wir TT, dann löst sich die unbedingte Zielsetzung bereits ein wenig auf, denn möglicherweise geht beides nicht, z.B. bei mittelmäßigem Wind.
Außerdem hängt dann mein Freund in der Warteschleife, je nachdem wie sich der Wind entwickelt.
Ich kann aber noch weiter gehen und generell meine Pläne und Zielsetzungen als Möglichkeiten sehen.
Dies funktioniert natürlich nur dann, wenn ich nichts unbedingt will.
Und genau darauf kommt es sehr an, finde ich – unser Wollen ist gut und richtig, es liegt nichts Falsches darinnen, nur wenn daraus ein unbedingtes Wollen wird, ist es mit unserer innerlichen Freiheit dahin.
Dann wird es anstrengend, sind wir angespannt, fangen wir an zu kämpfen…d.h. wir verlieren Energie.
Also können wir uns die Frage stellen, wie wir durch den Tag/durch´s Leben gehen möchten?
Es liegt an uns selber.
Gut, jetzt kommst du und sagst mir, ich möchte nun einmal dies und jenes und wenn das nicht geht, bin ich unzufrieden!
Kannst du machen, wenn du unzufrieden sein möchtest..;-)
Es ist eine Schulung des Lebens im Allgemeinen – das Leben bietet uns immerzu vielfältige Möglichkeiten an – wir können davon auswählen, in jedem Augenblick – und wenn wir eben heute partout in die Berge wollen, auch wenn es schüttet, dann können wir das tun – kann auch mal schön sein;-).
Wir könnten aber auch sagen, ok, heute ist Regenwetter, machen wir lieber was drinnen…
Freilich wird das um so schwieriger, je mehr Leute mit im Boot sitzen und je weiter der Anweg sein wird.
Für alle Tätigkeiten, welche wir vorzüglich alleine oder zu zweit ausüben, funktioniert dies sehr gut.
Im Grunde liegt es dann nur daran, selber genügend Möglichkeiten für sich zu schaffen, nämlich durch möglichst breit gefächerte Interessen.
Möchte ich immer nur eine bestimmte Tätigkeit ausüben, und diese noch so oft wie möglich, werde ich einfach oft unzufrieden sein, dies liegt in der Natur der Sache.
Dies trifft oft auch auf die sog. Begehrenskräfte zu, wie du sie nennst, und es ist wirklich dieser Aspekt, den du ansprichst – sehen wir den Anderen eigentlich dabei noch oder geht es um eine reine Bedürfnisbefriedigung meinerseits?
Trifft Letzteres zu, wird unser Gegenüber auch leichter austauschbar, denn es geht nicht um ein gemeinsames Erleben mit einem bestimmten Menschen, sondern einzig um meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse.
So sehe ich einen sinnigen und gesunden Grundansatz meines Wollens darin, dass ich immer den Gesamtzusammenhang im Auge behalten möchte – d.h. ich überlege mir folgende Fragen:
– Wie geht es mir innerlich, bin ich überhaupt bereit dazu?
– Wie geht es dem/den Anderen dabei?
– Wieviel Aufwand ist damit verbunden?
– Steht der Aufwand in sinniger Relation zur Ausübung meiner Tätigkeit?
– Sind die Verhältnisse günstig oder wäre ein anderer Zeitpunkt besser geeignet?
– Was wären Alternativen?
– etc.
Lichte Grüße soweit
Stefan