#8643
Stefan
Teilnehmer

    Liebe Maria, liebe Leser,

    das Beispiel mit dem Wasser habe ich nicht zufällig gewählt – Wasser ist ja d a s Element des Lebens schlechthin, es ist in allem enthalten, insofern können wir sagen, wenn wir das Wasser nicht verstehen, dann verstehen wir das Leben an sich nicht.
    Viktor Schauberger oder Johann Grander waren großartige Forscher auf diesem Gebiet und haben sicherlich das eine oder andere von der Natur des Wassers lernen können oder entdeckt, aber von einem „Wissen“ darüber sind wir nach wie vor meilenweit entfernt.

    5+6 ist definitionsgemäß 11, weil wir es so festgelegt haben – mit dem Leben hat dies jedoch nichts zu tun, genauso wenig „weiß“ das Leben etwas darüber, wie lang ein Meter ist o.ä. – dies sind alles menschliche Festlegungen, um sich auf einen Maßstab zu einigen.
    Auch unsere Namensgebung – wir benennen eine Pflanze als „Baum“ oder als „Eiche“ und meinen, wir würden sie „kennen“, wenn wir den Namen wissen.
    Das ist so, als würden wir auf eine Landkarte schauen und sagen, ich kenne dieses Land, weil ich dessen Namen kenne, obwohl wir nie da gewesen sind.
    Und selbst wenn wir bereits dort gewesen wären – ab wann können wir sagen, ich kenne dieses Land?

    Die entscheidenden Fragen des Lebens können wir nicht beantworten – müssen wir auch gar nicht, denn es geht hier in unserem Dasein nicht um ein Wissen.
    Wenn man es drastisch ausdrücken würde, dann könnte man sagen, „Wissen“ ist diesbezüglich eine Themaverfehlung im Leben des Menschen.
    Wir könnten uns einmal die Frage stellen, warum wir eigentlich wissen wollen?
    Geht es hierbei nicht vielmehr um Sicherheit, Macht und Geld?

    Natürlich, wenn es darum geht, Landwirtschaft zu betreiben oder eine Brücke zu bauen oder ein Haus etc., dann benötige ich ein Fachwissen in diesem Bereich, das meine ich nicht, sondern wenn es um Fragen geht wie die Entstehung des Lebens, dessen Sinn für uns Menschen, wo wir herkommen und hingehen, wo wir sind, wenn der Körper vergeht, ob und warum wir ggf. wo wiedergeboren werden, warum Erleuchtung geschieht, welche Kraft hinter allem steht, warum es überhaupt ein/mehrere Universum/en und so etwas wie eine Schöpfung gibt, welche Formen von Leben woanders existieren etc. etc.?

    Ein schönes Beispiel ist auch das Forschen über die Materie.
    Man suchte immerzu das kleinste Teilchen und war der Meinung, wenn man dies gefunden hätte, könnte man die Materie erklären.
    Haha und was geschah – irgendwann war das Teilchen weg und es gab nur noch eine massenlose Schwingung…und man fand heraus, dass „Materie“ im Grunde nichts anderes ist als „Schwingung“, welche mal als reine Schwingung und mal als „feste Materie“ auftreten kann (s. auch Doppelspaltversuch, bei dem sich Photonen („Licht-Teilchen“) einmal als Welle und einmal als Materie verhalten).
    Dies zeigt uns doch, dass diese Einteilungen im Grunde alle nicht zum Ziele führen, da Leben ein komplexes Gesamtsystem ist und keine Schubladen kennt.
    Auch Nahrungsergänzungsmittel berücksichtigen z.B. oft nicht, dass unser Organismus offenbar (auch wiederum eine Annahme) nur Komplexe verwerten kann und nicht Einzelstoffe etc.
    Wir sind eben keine Maschine, sondern lebendig.

    Es gibt einen schöne Sufi-Weisheit, die da lautet:

    „Befreie dich von den Fesseln des Wissens und begebe dich in die Freiheit des Seins!“

    Das drückt es sehr schön aus, finde ich, denn es macht uns klar, dass all unser sog. Wissen uns nur an unser Denksystem bindet – und mit Verlaub, was weiß das Denken über das Leben?

    Darum gefällt mir vielmehr die Bezeichnung der „Philosophie“ (= Liebe zur Weisheit).
    Weisheit bezeichnet vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren – es gibt mehrere Definitionen und Konzepte von Weisheit, die sich in der Regel in den Spannungsräumen zwischen Rationalität und Intuition, Wissen und Glauben sowie zwischen Erfahrung und Instinkt bewegen.
    In der Weisheit können wir uns jederzeit üben – und sie ist genauso wenig exakt zu definieren, wie „Liebe“ oder das Leben selbst – und genau darum ist es etwas Lebendiges.
    Wissen ist etwas Starres, Totes und wir vergessen leicht dabei, dass es etwas Relatives ist – und ich glaube darum geht es im Grunde bei diesem Thema auch.
    Wir Menschen meinen, wenn wir eine Pflanze oder ein Tier auseinander nehmen und untersuchen, dann finden wir etwas über das Leben heraus – oh welch eine Vorstellung vom Leben ist das?!

    Dein Ansatz, liebe Maria, wenn drei Menschen eine Pflanze betrachten und sich die selbe Frage dazu stellen, spürt sich für mich da schon viel stimmiger an – es geschieht dann wohl auch eher in einer Art Sanftmut und Achtung/Demut vor der Pflanze/dem Leben, nehem ich an.
    Wobei ich persönlich eher das „fragelose Wahrnehmen“ bevorzuge und dadurch immer wieder Antworten vom Leben bekomme, zu einer Frage, die ich gar nicht (bewusst) gestellt habe 😉

    Seit ein paar Wochen treffe ich mich immer mal wieder mit zwei anderen Männern zu einem philosophischen Austausch und wir haben immer wieder ähnliche Erfahrungen gemacht – alleine, dass wir drei uns zusammen finden, bewirkt schon in jedem von uns eine Öffnung eines Feldes, welche tiefe Einsichten für jeden von uns ermöglichen.
    Diese wundervolle Mischung aus einem spirituellen (Wasser-) Forscher und ausgezeichneten Physiker, einem Kenner der Geschichte und Sprachforscher und mir als Philosoph und feinsinnigem Hobby-Chemiker bringt so einiges hervor, und wir erleben immer wieder sehr Wundersames.
    Z.B. hatte der Physiker neulich ein selbst entworfenes Model aus feinen Drähten auf seinem Tisch stehen, was exakt so aussah, wie es mir in meinem geistigen Auge Tage zuvor erschien, als ich mir Gedanken zum Zusammenspiel von Usache/Wirkung, Vergebung und Liebe gemacht hatte.
    Es waren zwei ineinander geschachtelte Dreiecke in einer Kugel…

    Mir geht es einfach darum, uns alle mal etwas aufzurütteln aus unseren gewohnten Denkstrukturen – und inne zu halten, mal in sich reinzuspüren, was für uns wahr ist und was nicht, unabhängig davon was wer sagt oder mal gesagt hat.
    Dass wir nicht einfach alles, was uns gesagt und gelehrt wird blind übernehmen, ohne es für uns selbst geprüft zu haben.

    Im Buddhismus gibt es da ein Sprichwort dazu:

    „Begegnet dir in der Meditation Buddha, so schlage ihm den Kopf ab!“

    Dieses persönliche Prüfen ist natürlich anstrengend und aufwendig, sicher, aber in meinen Augen der einzige Weg, der zu einem Ziele hinführt: zu unserem eigenen, inneren Wissen zu gelangen.
    Es mag „nur“ für uns Gültigkeit haben, jedoch reicht dies für uns vollkommen aus – ohne Beweise, ohne Messungen, ohne Wiederholbarkeit.

    Es geht mir hier nicht ums Rechthaben, denn ich weiß wahrscheinlich genauso viel oder wenig wie jeder andere von euch auch, es soll nur eine Anregung sein, Selbstverständliches und scheinbar Unverrückbares auch einfach einmal in Frage zu stellen.
    Ich glaube, nur so werden sich wirklich neue Horizonte für uns eröffnen…

    In diesem Sinne herzliche Grüße
    Stefan