#8638
Maria
Administrator

    Lieber Jens, lieber Stefan,

    was du schreibst, Jens, wie Empfindungen entstehen, durch Hinwendung und Interesse und forschendes Fragen zu Objekten und auch Menschen in dieser Welt oder eben auch zu Texten und inspirierten Schriften, dass durch ein Denken, Nachdenken und sich Vorstellungen bilden, dann auch Empfindungen erwachen, das versuche ich hier in Worte zu fassen und diese Erfahrung bemühe ich mich zu beschreiben. Das Denken und das Fühlen ergänzen sich oder das eine zieht das andere nach sich. Ich kann von etwas gefühlsmäßig oder, wie du schreibst, noch besser empfindungsmäßig berührt sein und beginne dann, es auch denkend oder forschend zu ergründen. Und ich kann mich einem Thema, Objekt oder Menschen hinwenden und es erwachen in mir tiefere Gefühle.

    Zu deiner Aussage Stefan, „Eine objektive Wahrheit kann es also diesbezüglich als Mensch nicht geben, dies ist nur dem ALL-GEIST/”HEILIGEN GEIST” möglich, denn nur ES hat alle Informationen zu einer Situation und ist demzufolge “neutral”: Für mich ist es eine Erfahrung, dass es Menschen gibt, die von dem, was du als Heiligen Geist beschreibst, durchdrungen und geleitet sind. Ich verstehe diesen Heiligen Geist nicht wie ihn die Kirche übermittelt hat, sondern als Möglichkeit, zu der jeder Mensch sich hinentwickeln kann. Es sind nur nicht so viele Menschen von ihm durchdrungen, weil es dazu meines Erachtens ein so absolutes Interesse, eine hohe Disziplin zu geistigen Übungen und ein Streben nach moralischem Wachstum braucht, die eben nur von wenigen aufgesucht werden. Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass ein Mensch eine Wahrheit, einen seelisch geistigen Zusammenhang, auch einen anderen Menschen objektiv erschauen und erkennen kann.

    Rudolf Steiner war im Westen einer der ersten, der einen konkreten Schulungsweg ausgearbeitet und zur Verfügung gestellt hat, z.B. beschrieben in dem Büchlein „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“. Heinz Grill hat seit den 1980er Jahren mit seinem Hauptwerk des Neuen Yogawillens, auch mit geisteswissenschaftlichen Forschungen zu Ernährung, Pädagogik, Medizin und Naturerleben, um nur ein paar zu nennen, die Möglichkeit geschaffen, dass interessierte Menschen in ein seelisch geistiges Forschen kommen und ihr Bewusstsein entwickeln. Der Unterschied zu dem, was du manches Mal schreibst, ist, dass auf diesen Wegen immer eine Beschäftigung mit konkreten Themen oder Objekten geschieht und auch die Meditation ein konkretes Gegenüber zum Gegenstand hat. Vielleicht kann ich es so ausdrücken, weniger ein „All-Geist“ oder ein Einheitsfühlen, weniger ein „ES“, sondern ein denkendes und fühlendes Annähern an Phänomene, Naturerscheinungen, Kunstwerke, auch an tiefe wissenschaftliche Erkenntnisse, hier wächst in meinen Augen der Mensch hin zu dem, was er sein könnte, nämlich ein schöpferischer und schaffender Mensch. Und damit wächst auch seine Liebeskraft und seine gesamte gebende Ausrichtung.

    Ja, Sokrates hat die Worte geäußert „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Dennoch hat er sein ganzes Leben bis hin zu seinem Tod als Denker und Schöpfer verbracht. Sein Denken und wie er die Jugend eine objektiven Auseinandersetzung mit der Welt lehrte, wurde als so gefährlich erachtet, dass er zum Tode verurteilt wurde und nach den Überlieferungen diesen Tod auch mit Gelassenheit hingenommen hat, unglaublich bewundernswert. Aber schön, dass du ihn erwähnst, ich werde mich mit ihm noch einmal ausführlicher beschäftigen.

    Zu Wissen und Weisheit, da könnten wir auch noch viel schreiben. Das ein andermal, mit herzlichem Gruß, Maria

    • Diese Antwort wurde vor 2 Monaten von Maria geändert.