#7919
Maria
Administrator

    Lieber Stefan,
    im Zuge deiner Erklärung auf meine Anfrage, was du unter “Leben” verstehst, führst du ein Zitat aus dem Neuen Testament an.
    “Kümmert euch zuallererst um das Reich Gottes inwendig in euch, dann wird euch alles andere wie von selbst zufallen!”

    Ich habe es gesucht -in mehreren Bibeln – und es in diesem Wortlaut nicht gefunden, sondern aufgeschlüsselt in zwei verschiedene Evangelienstellen. Die eine handelt vom unnützen Sorgen (Matthäus 6,24) und ich fand sie in verschiedenen Ausgaben so:

    „Suchet also zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit und dies alles wird euch dareingegeben werden. Sorget darum nicht ängstlich für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner Plage.“ Matthäus 6, 33-34
    (Stuttgarter Kepplerbibel)

    „Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben.“ (Neue Genfer Übersetzung)

    Die andere Aussage, wo es um das “Inwendige” geht, steht im Lukasevangelium und hier spricht Christus zu den Pharisäern:
    „Da er aber gefragt ward von den Pharisäern: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ (Lukas 17,20-21)

    Du kennst mich ja mittlerweile ein bisschen und wir hatten immer wieder mal einen Austausch über Zitate und woher eine Aussage kommt. Für mich ist es wichtig, wie ein Zitat im Originaltext lautet und in welchem Kontext es steht. Spricht Christus zu den Pharisäern, die in äußeren Formeln und Gesetzen den Glauben festlegen wollen, lässt sich die Betonung des “Reiches Gottes inwendig in euch” gut nachvollziehen. Ansonsten, was die Stelle aus dem Matthäusevangelium betrifft, da sehe ich den Schwerpunkt des menschlichen Strebens in der “Suche nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit” – alles andere wird dann gegeben. Und da halte ich es wieder für sinnvoll, die Aussage über längere Zeit konkret im Sinne einer Meditation zu pflegen, damit sich mir eine erste Empfindung über diese Aussage des Christus auftut. Sie steht in dem größeren Zusammenhang des “unnützen Sorgens.”
    Was ich damit sagen will ist, dass ich vorsichtig umgehe mit “dem Suchen in mir.” Dagegen mit einer Meditation, die auf einen konreten Außenbezug gerichtet ist, hier der Wortlaut einer Evangelienstelle, mich diesem objektiv gegenüberstelle. Ich sehe die Worte als etwas, was ich noch nicht verstanden habe (wenngleich der Intellekt mir das vielleicht vorspiegeln will) und als etwas, dem ich mich forschend und fragend gegenüberstelle.

    Da wir in unserem Austausch hinsichtlich des Friedensthemas auch schon mehrmals auf die Entwicklung der Liebesfâhigkeit kamen, habe ich ich dies als neues Thema im Forum eröffnet.
    Mit herzlichem Gruß, Maria