#7909
Maria
Administrator

    Lieber Stefan, lieber Adrian,

    in deinem Beitrag, Stefan, nennst du anschauliche Beispiele aus dem Alltag, den Wunsch einer bestimmten sportlichen Aktivität und welche Bedingungen es dazu braucht. Adrian, du gehst auf ein übergeordnetes Ziel ein, hier den Weltfrieden und was ich dazu beitragen kann. Und in beiden bewegt uns die Frage, wie hängt das mit dem Wollen und auch den Kräften des Denkens und Empfindens zusammen. Ausgehend von Adrians Anregung würde ich schon sagen, wenn ich so ein großes Ziel verfolge, dass ich dann ganz schön regsam in meinem Bewusstsein werden muss, und dass ein Wollen, das nicht so schnell aufgibt, notwendig ist. Mein Eindruck ist auch, dass es dabei gar nicht so sehr um Zufriedenheit und Unzufriedenheit geht. Eher einen Antrieb, eine Motivation, die ich aufrechterhalte, weil ich sie als sinngebend und in meiner Verantwortung sehe, im besten Falle, weil ich eine große Empathiefähigkeit entwickelt habe und das Leid der Menschen im Krieg mich selbst berührt und betroffen macht. Was den Erfolg betrifft, da spricht der indische Lehrer Sivananda tröstliche und heitere Worte, wenn er sagt “Jeder Misserfolg ist ein Erfolg”, denn ich werde auch aus den Phasen, in denen nichts klappt, etwas lernen oder eine Erkenntnis ziehen.

    Ich kann auch die Beispiele von dir, Stefan, nachvollziehen. Es ist interessant, dass du den Sport wählst. Dass da die Gefahr eines “unbedingten Wollens” besteht, andererseits auch wieder nötig ist, um Fortschritte zu machen, das ist sicher so. Sport könnte auch eine Aktivität sein, die sehr verbindend wirkt. Soweit ich mich erinnere, sind die Olympiaden im ursprünglichen Sinn immer der Völkerverständigung gewidmet und auch in gewissem Maße einem guten und fairen Wettkampfgeist. Es ist ja auch beachtlich, zu welchen Leistungen manche Sportler fähig sind. Ich habe an anderer Stelle im Forum einmal einen Film verlinkt über zwei Eiskunstläufer, die 2018 für Deutschland antraten, eine Ukrainerin und einen Franzosen. Darauf schrieb ein Leser im Kommentar, dass es auch einen Film zum Hintergrund dieser “Goldkür” ( Titel “Die Kür ihres Lebens”) gibt, in dem die ganzen Strapazen und Unterschiede der beiden Sportler dargestellt sind, wo sie durchmussten, um letztendllich die Goldmedaille zu erhalten und eine in meinen Augen wirklich wunderbare künstlerische Kür darzubieten. Ich sehe sie heute noch gern an. Irgendwie finden die beiden zusammen, obwohl der Willensantrieb der einen Sportlerin für den männlichen Eislaufpartner eine sehr harte Nummer ist.

    Die Fragen, wann sehe ich den anderen nicht mehr, weil ich mein Eigenes durchsetzen will? Wie finden wir hier einen guten Zusammenklang? Wie können sich Menschen auch beispielsweise innerhalb einer sportlichen Disziplin gut ergänzen, fördern? Eine Möglichkeit ist es auf alle Fälle, nehmen wir mal das Tischtennis, sich um “schöne” Ballwechsel zu bemühen und in ein Zusammenspiel zu kommen, dann aber auch wieder, sich im Wettkampf zu messen. Der Mensch, das Gegenüber bleibt aber immer im Fokus. Sodass letztendlich beide Partner aufbauen. Wenn ich einen Sport so angehe, dann scheint mir die Gefahr eines “egoistischen Wollens” geringer. Dass ich auch etwas Schönes, Künstlerisches schaffen will mit dem Sport und den anderen sehe. Was wiederum das Empfindungsleben bereichert. Wie kommt euch das vor?

    Liebe Grüße, Maria